Rom

Neue Tragödie vor Libyen – mehr als 20 Tote befürchtet

Rom. Vor der libyschen Küste ist es am Donnerstag erneut zu einer schweren Flüchtlingstragödie gekommen. 20 bis 30 Migranten könnten dabei ums Leben gekommen sein, sagte Rino Gentile, ein Sprecher der EU-Mission „Eunavfor MED“. An Bord des Holzbootes seien insgesamt etwa 100 Menschen gewesen. Etwa 50 seien von einem spanischen Schiff gerettet worden. Erst am Mittwoch war ein Boot vor der libyschen Küste gekentert. Fünf Menschen kamen dabei ums Leben.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind in den ersten fünf Monaten des Jahres mehr als 190.000 Menschen über das Mittelmeer geflohen. Davon knapp 156.000 nach Griechenland und 34.000 nach Italien. 1375 Menschen gelten als vermisst oder tot.

Ein neun Monate altes Flüchtlingsbaby ist ohne Eltern auf der italienischen Insel Lampedusa angekommen. Die Mutter des aus dem Krisenland Mali stammenden Mädchens sei auf der Überfahrt gestorben, berichtete die Zeitung „La Stampa“. Jetzt ist landesweit eine wahre Welle der Solidarität entbrannt – zahlreiche Familien möchten die kleine Favour adoptieren. Auch der Arzt der Insel, Pietro Bartólo, ist bereit, das Mädchen in Pflege zu nehmen, und hat einen entsprechenden Antrag gestellt.

AfD: Christliche Kirchenprofitieren von der Zuwanderung

Das Mädchen war zusammen mit seiner schwangeren Mutter und Dutzenden anderen Flüchtlingen in Libyen in einem Schlauchboot in See gestochen. Jedoch sei die schwangere Mutter auf der Überfahrt vermutlich wegen eines defekten Motors an schweren Verbrennungen gestorben. Eine andere Frau habe sich anschließend um Favour gekümmert und sie bei der Ankunft in Italien den Behörden übergeben.

Vertreter der AfD verschärfen unterdessen in Deutschland den Ton gegen die großen christlichen Kirchen. Das Engagement von katholischer und evangelischer Kirche für die Flüchtlinge sei von wirtschaftlichen Interessen bestimmt, schreibt der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron in der „Huffington Post“. Die Amtskirchen verdienten über ihre Wohlfahrtsverbände „alleine an der Flüchtlingskrise mehrere Milliarden Euro pro Jahr“. Deshalb hätten sie ein „massives Interesse“ an weiterer Zuwanderung: „Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert nämlich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen“, schrieb Bystron.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wies die Vorwürfe zurück. „Die christlichen Kirchen in Deutschland haben kurzfristig einen zusätzlichen, dreistelligen Millionenbetrag für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. Angesichts dieses Kraftakts und des ehrenamtlichen Engagements vieler Hunderttausend Menschen in den Kirchen entbehrt eine solche Äußerung jeglicher Grundlage“, erklärte ein Sprecher.