Berlin

Wenn Helfer zu Opfern werden

Berlin. Gerichtsvollzieher, Zollbeamte, Mitarbeiter von Ämtern, Lehrer, Polizisten, Rettungskräfte werden immer häufiger Opfer von Hassattacken, Pöbeleien, Angriffen. Es gebe eine „Tendenz zur Verrohung“ der Sprache, die im Einzelfall in Gewalt umschlage, beklagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag in Berlin. 2014 wurden nach Angaben des Bielefelder Konfliktforschers Andreas Zick 700 Mitarbeiter von Rettungsdiensten sowie 60.000 Polizisten und Vollzugsbeamte angegriffen – darunter waren fünf Todesfälle. Bei der Bahn stieg die Zahl der Körperverletzungen im selben Zeitraum um 200 Prozent auf 1199 an.

Die gravierendsten Fälle: 2012 erstach ein Arbeitsloser eine Sachbearbeiterin im Jobcenter Neuss;2014 tötete ein Steuerberater in Rendsburg einen Finanzbeamten; 2015 schoss ein Landwirt in Brandenburg auf einen Mitarbeiter des Veterinäramts.

Der Trend zu mehr Gewalt und Respektlosigkeit treibe seit ihn Langem besonders um, erzählte de Maizière. „Was ist los in unserem Land?“ Der Trend hält seit Jahren an, doch habe das Internet ihn ganz erheblich verstärkt: „In sozialen Netzwerken explodiert mittlerweile der Hass“, sagte de Maizière. Zugleich kündigte er Maßnahmen zum besseren Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Dienst an:
Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass der Bund für angegriffene Beschäftigte die Schmerzensgeldansprüche regelt, wenn der Täter zahlungsunfähig ist. Solche Regelungen gibt es bisher nur in Bayern und Schleswig-Holstein.
Die Bundespolizei erprobt an fünf Standorten ein Jahr lang den Einsatz von Bodycams. Die Polizisten tragen die Kameras am Körper. Im Konfliktfall helfen die Aufnahmen bei der Beweissicherung.
In Ämtern werden an den Arbeitsplätzen Notruftasten eingebaut.
Speziell zum Schutz der Polizisten will de Maizière auf härtere Strafen und schnellere Verfahren drängen, um Täter abzuschrecken.
Mehr Schulungen in Deeskalation und Bewältigung von Konfliktlagen.