Live-Blog

Binnen drei Wochen: Mehr als 100.000 Flüchtlinge in Kroatien

Allein am Sonnabend seien bis 09.00 Uhr fast 2500 Flüchtlinge in Kroatien eingetroffen. In Thüringen brannte es in geplantem Flüchtlingsheim.

Abendblatt.de hält Sie im Live-Blog zur Flüchtlingskrise auf dem Laufenden:

Tödlicher Autounfall mit Flüchtlingen in Österreich

Eine Autofahrerin hat in Österreich nahe der deutschen Grenze eine Gruppe von Flüchtlingen erfasst, eine Frau kam dabei ums Leben. Die 61-Jährige prallte am Freitagabend auf einer Landstraße in Mühlheim am Inn gegen vier Menschen, wie die Polizei am Sonnabend mitteilte. Die Flüchtlinge kamen ihr demnach in der Dunkelheit zu Fuß auf der Fahrbahn entgegen. Eine 38-Jährige aus Afghanistan erlitt tödliche Verletzungen. Ihre zwölfjährige Tochter sowie ein 20-Jähriger aus Afghanistan und ein 22 Jahre alter Pakistaner wurden schwer verletzt. Sie wurden in Krankenhäuser gebracht. Der Unfall ereignete sich einige Hundert Meter von einer Flüchtlingsunterkunft entfernt.

Kroatien registriert mehr als 100.000 Flüchtlinge binnen drei Wochen

Mehr als 100.000 Flüchtlinge sind in den vergangenen drei Wochen beim jüngsten EU-Mitglied Kroatien angekommen. Fast alle seien in Richtung Ungarn weitergeleitet worden, sagte der kroatische Innenminister Ranko Ostojic dem TV-Sender N1 am Sonnabend vor dem Flüchtlingscamp Opatovac im Osten des Landes. Die Ungarn brachten ihrerseits die Menschen an die österreichische Grenze. Allein am Sonnabend seien bis 09.00 Uhr fast 2500 neue Flüchtlinge in Kroatien eingetroffen, teilte das Innenministerium in Zagreb weiter mit.

Nachdem das EU-Mitglied Ungarn seinen international umstrittenen Zaun an der Grenze zu Kroatien fertiggestellt hatte, wird möglicherweise schon am Sonntag mit der Schließung auch der letzten Lücke in Richtung Kroatien gerechnet, wie das nationale kroatische Fernsehen HRT am Sonnabend berichtete. Für diesen Fall sei ein Notplan mit dem Nachbarn und EU-Mitglied Slowenien abgesprochen, berichtete der Innenminister, ohne Einzelheiten dazu mitzuteilen.

Brand in geplantem Flüchtlingsheim in Thüringen - Ursache unklar

Wenige Tage vor dem Bezug hat in Thüringen erneut eine noch leerstehende Flüchtlingsunterkunft gebrannt. Ein Polizeisprecher schloss am Sonnabend weder Brandstiftung noch einen technischen Defekt aus. Der Schaden an dem früheren Bauerhof in Bischhagen im Eichsfeld beträgt nach ersten Schätzungen mehr als 100.000 Euro; es gab keine Verletzten.

Brandermittler konnten das Gebäude zunächst nicht betreten, weil die Statik überprüft werden musste. Außerdem stand darin noch viel Löschwasser.

Am Montag hätten die ersten Bewohner einziehen sollen. Vorbehalte dagegen gab es in dem 150-Einwohner-Ort nicht, wie Bischhagens Bürgermeister Bernd König (parteilos) erklärte. „Wenn der Brand vorsätzlich gelegt worden sein sollte, wäre das schon sehr traurig und unverständlich.“

Merkel: Flüchtlinge ohne Schutzgrund können nicht bleiben

Deutschland kann nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht allen ankommenden Flüchtlingen Zuflucht gewähren. „Wir müssen deutlich machen, dass die, die einen Schutzgrund haben, bei uns Schutz bekommen sollen; dass aber auch die, die diesen Schutzgrund nicht haben, die aus rein wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen, dass die unser Land auch wieder verlassen müssen“, sagte Merkel in ihrer am Sonnabend veröffentlichten wöchentlichen Video-Botschaft. „Da müssen wir auch noch konsequenter sein und das deutlich machen.“

Zu Bedenken in der Bevölkerung sagte Merkel: „Ich glaube, die Menschen müssen ihre Fragen stellen dürfen, und sie stellen sie ja auch.“ Es sei wichtig, das Gespräch zu suchen. „Denn das ist ja etwas, was wir in diesem Maße bis jetzt noch nicht gekannt haben. Es ist plötzlich so, dass aus einem Krieg wie dem in Syrien, den wir meistens im Fernsehen verfolgt haben, plötzlich etwas ganz Reales wird: Es kommen Flüchtlinge.“ Die Integration von Flüchtlingen sei eine große Aufgabe. „Und angesichts der Größe muss auch Raum für Diskussionen sein.“

Oettinger hofft auf schnelles gemeinsames EU-Asylrecht

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) erwartet eine zügige Harmonisierung des Asylrechts in der Europäischen Union (EU). „Ich hoffe, dass wir schon vor Jahresende zu einer Grundsatzentscheidung der EU-Staaten über die weitere Vergemeinschaftung des Asylrechts kommen“, sagte Oettinger der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Sonnabendausgabe). Ein einheitliches Asylrecht aller EU-Staaten müsse jetzt „ohne Verzögerung angegangen werden“. Das stehe auch „ganz oben auf der Agenda der EU-Kommission“.

Überall in der EU müsse auch künftig gelten, „dass Menschen, die in der Heimat verfolgt werden, ein individuelles Asylrecht haben“, betonte der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. „Dieses materielle Asylrecht können und wollen wir nicht absenken.“ Deutschland könne aber die Asylrechtsverfahren beschleunigen und die Asylbewerberleistungen - angepasst an die Lebenshaltungskosten - angleichen, forderte Oettinger. Die Bundesrepublik stehe bei den Leistungen für Asylbewerber neben Dänemark in der EU derzeit „am oberen Ende“.

200 Flüchtlinge stürmen Eurotunnel - Fahrplan kann nicht eingehalten werden

200 Flüchtlinge sind in den Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich eingedrungen und haben den Zugverkehr stundenlang lahmgelegt. Die Aktion sei organisiert gewesen, weshalb die Polizei gerufen worden sei. Daraufhin habe der Betrieb der Eurostar-Züge eingestellt werden müssen. Inzwischen führen die Züge zwar wieder, aber deutlich langsamer als normal. Der Fahrplan könne nicht eingehalten werden. Laut der britischen Nachrichtenagentur PA stürmten die Migranten nachts die Gleise auf französischer Seite.

In der nordfranzösischen Hafenstadt kampieren Tausende Flüchtlinge. Viele von ihnen versuchen, gesetzeswidrig durch den Tunnel oder auf Fähren nach Großbritannien zu gelangen. Seit Ende Juni kamen dabei mehr als zehn Menschen ums Leben. Vor allem am Gelände um den Tunnel sind die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft worden.

Bayern kritisiert Niedersachsen: Zu wenig Flüchtlinge aufgenommen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kritisiert die niedersächsische Regierung, weil das Land weniger Flüchtlinge aufnehme als es müsste. Nach Angaben Herrmanns hat Bayern im September mehr als 58.000 Asylbewerber untergebracht. Das seien über 16.000 mehr als der Verteilungsschlüssel der Länder vorsehe, sagte der CSU-Politike. „Andere Bundesländer hätten zum Teil sehr viel weniger Flüchtlinge aufgenommen als sie eigentlich müssten. „Besonders gravierend fällt das ins Gewicht bei Niedersachsen, das anstelle der vorgesehenen etwa 25 000 nur etwa 18.000 Flüchtlinge aufgenommen hat“, sagte Herrmann. Niedersachsen sei ein rot-grün geführtes Bundesland. „Das steht im Widerspruch zu dem, was sonst aus solchen Ländern zu hören ist: Man redet von Willkommenskultur, praktiziert sie dann aber nicht“, kritisierte der CSU-Politiker.

Brand in Flüchtlingsheim in Kleve - Drei Verletzte

Bei einem Brand in einem Flüchtlingsheim in Kleve sind drei Menschen verletzt worden. Sie erlitten leichte Blessuren, als sie sich mit einem Sprung aus einem Fenster in Sicherheit bringen wollten. Wie es in der Nacht zum Sonnabend zu dem Feuer in einem der Zimmer kam, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Die Feuerwehr löschte die Flammen. Danach konnten die Asylbewerber zurück in ihre Unterkunft. Es entstand ein Schaden von etwa 50.000 Euro.

SPD fordert begrenzte Flüchtlingszahlen

Die SPD fordert von Kanzlerin Angela Merkel ein Eingeständnis, dass Deutschlands Kräfte in der Flüchtlingskrise begrenzt sind. Als erster SPD-Spitzenpolitiker mahnte nun der Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann an, dass Merkel persönlich die drohende Überlastung anerkennen sollte. „Die Kanzlerin trägt eine große Verantwortung und muss Führungskraft zeigen“, sagte Oppermann. „Dazu gehört es auch, deutlich zu sagen, dass mit einer Million Flüchtlinge in diesem Jahr unsere Möglichkeiten bei der Aufnahme nahezu erschöpft sind.“

Rund 400 Flüchtlinge kommen mit Sonderzug in Schönefeld an

Rund 400 Flüchtlinge haben am Sonnabendmorgen den Bahnhof Schönefeld (Dahme-Spreewald) erreicht. Der Sonderzug kam mit Verspätung aus Salzburg an, wie eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales in Berlin sagte. 195 Menschen sollen in der Glockenturmstraße in Berlin untergebracht werden. Die übrigen Flüchtlinge reisen nach Brandenburg weiter. Ein zweiter Sonderzug aus Passau wird ab dem späten Sonnabendnachmittag am Bahnhof Schönefeld erwartet. Der Zug aus Salzburg fuhr am Freitagabend los.