Washington

Donald Trump droht mit unabhängiger Kandidatur

Nach TV-Debatte der republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten sinkt sein Stern

Washington. Charles Krauthammer ist normalerweise völlig unverdächtig, einem Republikaner Übles zu wollen. Der erzkonservative Gast-Kommentator des US-Fernsehsenders Fox News findet auch in der düstersten Ecke der Grand Old Party (GOP) immer einen Lichtstrahl. Umso mehr sorgte das Urteil über den Mann des Abends für Nachdenklichkeit: „Wir haben gerade den Kollaps des Donald Trump erlebt.“ Gerade war die mit Spannung erwartete erste TV-Debatte der in Umfragen zehn bestplatzierten republika- nischen Kandidaten für das Weiße Haus 2016 zu Ende gegangen.

Mit großem Vorsprung in den Meinungsumfragen gestartet, verließ der sich als Anti-Politiker inszenierende Baulöwe aus New York am Donnerstagabend die Castingshow mit Beulen. Seine Botschaft – „Alle Politiker sind blöd – Amerika ist total am Ende – Nur ich kann uns wieder zu alter Größe führen“ – wollte Trump trotz Nachfragen nie ausbuchstabieren. Den Republikanern gewogene Wähler, die Fox News nach der zwei Stunden langen Debatte einvernahm, nannten den Unternehmer „dünnhäutig“, „substanzlos“, „feindselig“ und „enttäuschend“. Der „Economist“ schrieb: „Trump wurde als unzähmbarer Flegel und Narzisst enttarnt.“

Schon der Auftakt ging für den 69-Jährigen schief. Trump war der einzige Vertreter auf dem Podium in der Quicken Loans Arena in Cleveland/Ohio, wo in einem Jahr der republikanische Kandidat für die Obama-Nachfolge offiziell auf den Schild gehoben wird, der sich im Falle seiner Nichtberücksichtigung eine Kandidatur als Unabhängiger vorbehielt. Ein Akt, der als unsolidarisch und parteischädigend empfunden würde, weil er „unweigerlich den Demokraten nützt“, schreibt die „Washington Post“.

Die Buhrufe, die der durch seine aggressive Haltung gegen illegale Einwanderung an der Grenze zu Mexiko bekannt gewordene Trump dafür kassierte, wurden lauter, als er von Moderatorin Megyn Kelly auf diverse frauenfeindliche Äußerungen („fette Schweine“, „Schlampen“, „hässliche Tiere“) angesprochen wurde. „Ich habe keine Zeit für politische Korrektheit“, konterte Trump barsch. Bis auf Rand Paul, Senator aus Kentucky, fuhr niemand Trump dafür in die Parade.

Präsidenten-Sohn und -Bruder Jeb Bush nannte die Tonlage des Milliardärs „spalterisch“. Gewinnen werden die Republikaner nur, wenn „wir die Menschen mit einer Botschaft der Zuversicht einen“, sagte der frühere Gouverneur Floridas. Der wegen seines Namens und einer prall gefüllten Wahlkampfkasse immer noch als Favorit geltende Bush machte keine dramatischen Fehler, wirkte aber blass und verzagt. Bessere Noten in den Disziplinen Präsentation, Charisma und Fachkompetenz verdiente sich Senator Marco Rubio aus Florida, der sich als „Mann der Zukunft“ andiente. Lokalmatador John Kasich, Gouverneur des Bundesstaates Ohio, punktete gesellschaftspolitisch. Sein Eintreten für die „bedingungslose“ Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen, eigentlich ein Tabu bei den Republikanern, „wird weit bis in liberale Wählerschichten hineinwirken“, konstatierte der Sender CNN.

Bei der ersten von vorläufig elf geplanten Fernsehdebatten der Republikaner blieben inhaltliche Überraschungen aus. Mehr Jobs schaffen, Steuern radikal senken, den Staatsapparat schrumpfen, Washingtons Regulierungswut zurückdrehen – das gehörte zum rhetorischen Standardinventar. Fast alle Bewerber wollen gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien und im Irak härter vorgehen – sagen aber nicht, welche Konsequenzen damit im Mittleren Osten verbunden sein könnten. Fast alle wollen Präsident Barack Obamas Krankenversicherung („Obamacare“) abwickeln – sagen aber nicht, was dann kommt. Fast alle wollen den in der Schwebe hängenden Atomdeal mit dem Iran kippen – sagen aber nicht, wie Teheran danach in Schach gehalten werden soll. Fast alle sehen in Hillary Clinton die weibliche Fortsetzung von „bald acht schlimmen Jahren Obama“.

Das nächste Aufeinandertreffen der Republikaner findet Mitte September in Kalifornien statt. Bis dahin wird sich zeigen, schrieb ein Kommentator, „ob Donald Trump zum Fixstern dieses Wahlkampfs wird. Oder ob es sich um einen Kometen handelt, der kurz über den politischen Himmel huscht und dann für immer verglüht“.