Berlin

NSA spähte Schröder nach Kanzlerschaft aus

Auch Airbus ist Opfer eines Hackerangriffs vermutlich aus den USA geworden

Berlin.  Der US-Geheimdienst NSA soll Gerhard Schröder (SPD) auch nach Ende seiner Kanzlerschaft ausspioniert haben. Anlass seien Schröders Wechsel in den Aufsichtsrat des vom russischen Gazprom-Konzern dominierten Gas-Pipeline-Konsortiums Nord Stream und seine Freundschaft zu Präsident Wladimir Putin gewesen sein, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Über den Altkanzler sei es möglich gewesen, Zugang in die sonst sehr verschlossene Welt rund um Putin zu erhalten.

Welche Erkenntnisse durch die Spähaktionen gewonnen wurden, ist laut „BamS“ unklar. Auch ob Schröder weiterhin von der NSA ausgeforscht werde, sei nicht bekannt. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses von Nord Stream. Nord Stream baute und betreibt die gleichnamige Ostsee-Pipeline, durch die Erdgas von Russland nach Deutschland geleitet wird.

BND vermutet einen wirtschaftlichen Hintergrund der Attacke

Nach Informationen der Enthüllungsplattform WikiLeaks soll der US-Geheimdienst NSA über Jahrzehnte hinweg das Kanzleramt ausgespäht haben. Demnach waren neben der Regierung von Angela Merkel (CDU) auch die Regierungen ihrer Vorgänger Gerhard Schröder und Helmut Kohl (CDU) betroffen.

Auch Airbus ist Opfer eines Hackerangriffs vermutlich aus den USA geworden. Amerikanische Hacker hätten im November 2011 ein Spionageprogramm auf die Computer des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns gespielt, der damals noch EADS hieß, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf ein vertrauliches Schreiben des Bundesnachrichtendienstes (BND) an den Verfassungsschutz. 5116 Verbindungen seien zwischen den EADS-Rechnern und den US-Angreifern festgestellt worden – innerhalb von knapp drei Stunden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe daraufhin den Konzern über den Angriff informiert, der gestoppt werden konnte. Laut dem Schreiben vermutet der BND einen wirtschaftlichen Hintergrund der Attacke. Wie die „Bild am Sonntag“ aus Sicherheitskreisen in Deutschland und den USA erfuhr, war möglicherweise ein Auftrag an EADS für den Bau einer Grenzsicherungsanlage in Saudi-Arabien Hintergrund des Spionageangriffs. Ebenfalls ungeklärt ist, welcher ausländische Geheimdienst die Deutschen warnte.

EADS ist seit Jahren im Visier der US-Geheimdienste. Seit Beginn der Affäre um die Kooperation zwischen dem BND und dem US-Geheimdienst NSA wurde bekannt, dass BND-Mitarbeitern schon 2005 auffiel, dass die Unternehmen EADS und Eurocopter unter den Spähzielen der USA waren.