Lyon

Terror in Frankreich: Mann bei Islamisten-Anschlag enthauptet

Opfer war wohl der Arbeitgeber des mutmaßlichen Täters

Lyon.  Knapp ein halbes Jahr nach den Mordanschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris wird Frankreich erneut von einem islamistischen Attentat erschüttert. Nach einem Überfall auf ein Werk für Industriegase bei Lyon am Freitag wurde die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Mindestens zwei Menschen wurden zudem leicht verletzt. Die Polizei nahm einen 35-jährigen Mann fest, der Kontakt zur radikalislamischen Szene haben soll. Später stellte sie einen weiteren Tatverdächtigen und verhaftete auch die Frau des Hauptverdächtigen.

Frankreichs Präsident François Hollande brach wegen des Anschlags seine Teilnahme am EU-Gipfel in Brüssel ab. Er sprach von einem Anschlag „terroristischer Natur“. Auf dem Körper des enthaupteten Manns wurden arabische Schriftzeichen entdeckt. Sein Kopf steckte auf einem Zaun, der die Gasfabrik umgibt. In der Nähe waren nach Angaben von Augenzeugen zwei schwarze Islamisten-Flaggen zu sehen. In den vergangenen Monaten hatte die islamistische Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) mehrfach Geiseln enthauptet. Einige der Gräueltaten waren später in Internet-Videos zu sehen.

Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, der mutmaßliche Attentäter stehe in Verbindung mit salafistischen Organisationen. Die Behörden seien bereits 2006 auf den 35-jährigen Yassine S. wegen radikaler Tendenzen aufmerksam geworden. Cazeneuve bezeichnete den Toten als „unschuldiges Opfer, das ermordet und auf widerwärtige Weise enthauptet“ worden sei.

Der Präfekt der Region Isère, Jean-Paul Bonnetain, deutete im Gespräch mit der Zeitung „Figaro“ an, dass der Täter in dem Werk gearbeitet haben könnte – das Tatauto habe eine Zugangsberechtigung für das Werk gehabt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP ist der am Anschlagsort gefundene Leichnam der des Chefs eines Unternehmens der Region, in dem der mutmaßliche Täter gearbeitet hat. Das Opfer sei bereits getötet worden, bevor der Verdächtige gegen 9.50 Uhr mit einem Auto mehrere Gaskanister gerammt und so zur Explosion gebracht hatte

Die Frau des Festgenommenen wurde nahe Lyon ebenfalls von der Polizei festgehalten. Dem Sender Europe-1 hatte sie zuvor berichtet, ihr Mann sei als Auslieferungsfahrer am Morgen zur Arbeit gegangen. „Wir sind normale Muslime“, versicherte sie.

Die Fabrik unweit des Flughafens von Lyon gehört dem US-Konzern Air Products, der Gase für die Industrie und den medizinischen Gebrauch herstellt. Nach der Tat wurde das Gelände weiträumig abgesperrt.