Bonn

Kampf gegen Ursachen der Flucht kommt kaum voran

Kampf gegen Fluchtursachen kommt kaum voran - trotz der Toten

Bonn.  Der Aufschrei der Politiker kommt so sicher wie die Ebbe nach der Flut: Endlich die Ursachen der Flucht bekämpfen! Doch mit der Hilfe nach der Nothilfe hapert es. Dabei klingt das Rezept so simpel: Sobald die Menschen bessere Chancen in ihrer Heimat sehen, riskieren sie nicht mehr die Flucht und bleiben gerne im fernen Afrika, so eine gängige These. Dazu benötigen sie dort Aussicht auf einen Job, auf gerechte Löhne und faire Preise. Der Ist-Zustand sieht anders aus.

„Viel zu lange hat Europa den afrikanischen Kontinent mit ausgebeutet.“ Diese Kritik stammt nicht von einem linken Globalisierungsgegner, sondern von Entwicklungsminister Gerd Müller. Der CSU-Politiker weiter: „Nun wundern wir uns, wenn die Menschen in Afrika keine Chancen mehr für sich sehen und zu uns kommen wollen.“ Gleichzeitig zeigen sich in Deutschland mehr Konsumenten offen für bewusstes Einkaufen. Und greifen dafür auch mal tiefer in die Tasche, jedenfalls wenn sie es sich leisten können. Ethisch korrekt gehandelte Produkte gelten hier und da plötzlich als chic und boomen. Studien belegen, dass dieser Wirtschaftszweig das Leben von Kleinbauern und Plantagenarbeitern tatsächlich verbessert. Doch so mal schnell die Welt retten? Für Misereor-Agrarexperten Benjamin Luig müssen weitere Schritte folgen: „Fairer Handel ist ein wichtiger Baustein. Das allein reicht aber nicht, die Politik ist gefragt.“ Sie müsse in den Markt eingreifen und für Mindestpreise zugunsten der Kleinbauern sorgen: „Gegen die Macht der internationalen Ketten haben sie keine Chance“, kritisiert der Referent für Agrarpolitik.

Der Caritasverband pocht ebenfalls auf Initiativen und Investitionen, damit Menschen in ihrer Heimat Perspektiven haben. „Jedoch sollten wir realistisch bleiben“, mahnt Präsident Peter Neher und verweist auf die desaströse Lage in Ländern wie Libyen oder Somalia. „Da wäre es doch unredlich zu meinen, wir wären in der Lage, für Bedingungen zu sorgen, dass niemand mehr über das Mittelmeer kommt.“