Bevölkerung

Deutschland schrumpft dramatisch – trotz Zuwanderung

Eine Playmobilfigur, die eine junge Mutter mit ihrem Kind symbolisieren soll, steht mit einem Kinderwagen zwischen Figuren, die ältere Menschen darstellen

Eine Playmobilfigur, die eine junge Mutter mit ihrem Kind symbolisieren soll, steht mit einem Kinderwagen zwischen Figuren, die ältere Menschen darstellen

Foto: picture-alliance/dpa

Experten prognostizieren in einigen Jahren nur noch rund 70 Millionen Einwohner. Immer weniger Arbeitnehmer, immer mehr Rentner.

Wiesbaden/Hamburg. Es ist ein Befund, der in dieser Dramatik überrascht. Doch die Prognosen der Forscher sind unabhängig und bringen politischen Sprengstoff in die Debatte um Flüchtlinge, Zuwanderung und Integration. Nach einem kurzen Wachstum in den kommenden Jahren wird Deutschland weiter schrumpfen. Nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerung hierzulande kleiner. Der Grund ist banal: Es sterben mehr Menschen als geboren werden – und dieser Trend geht rasant weiter. Denn die Zahl der Zuzüge wird die der Fortzüge nicht so weit übertreffen, dass diese Entwicklung neutralisiert wird.

„Die Bevölkerungszahl von 80,8 Millionen Menschen im Jahr 2013 wird je nach Ausmaß der angenommenen Nettozuwanderung voraussichtlich noch fünf bis sieben Jahre steigen und anschließend abnehmen“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. „Unter den Stand von 2013 sinkt sie frühestens 2023. Im Jahr 2060 wird die Einwohnerzahl 67,6 Millionen bei schwächerer Zuwanderung und 73,1 Millionen bei stärkerer Zuwanderung betragen.“

Die erste Variante, die die Statistiker und Stochastiker ausgerechnet haben, geht davon aus, dass die Nettozuwanderung von 500.000 auf 100.000 Personen innerhalb von sechs Jahren bis zum Jahr 2021 sinkt. Das zweite Szenario sieht so aus: Das jährliche Wanderungssaldo sinkt bis zum Jahr 2021 auf 200.000 Personen und verfestigt sich dann.

Besonders stark wird laut Statistischem Bundesamt die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpfen. Die Anzahl der 20- bis 64-Jährigen (2013: 49 Millionen) wird ab 2020 deutlich zurückgehen und 2060 je nach Stärke der Nettozuwanderung etwa 34 beziehungsweise 38 Millionen betragen (minus 30 Prozent oder minus 23 Prozent). Wird das Erwerbsalter wie politisch gewollt mit 67 statt mit 65 Jahren abgegrenzt, so werden es 2060 noch etwa 36 bis 40 Millionen Erwerbstätige sein.

Die Zahl der Menschen ab 65 Jahre wird weiter steigen. Besonders stark wird diese Altersgruppe in den nächsten 20 Jahren wachsen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge sukzessive in dieses Alter aufrücken. Im Jahr 2060 wird die Anzahl der ab 65-Jährigen 22 bis 23 Millionen betragen.

Die demografische Entwicklung schlägt sich besonders deutlich in den Zahlen der Hochbetagten nieder. Im Jahr 2013 lebten 4,4 Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland. Ihre Anzahl wird 2060 mit insgesamt 9 Millionen etwa doppelt so hoch sein wie heute. (HA)

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