Schmähvideo

Nach Mohammed-Video: Iran schränkt Internetnutzung ein

Teheran hat den Internet-Zugriff stark eingeschränkt. Derweil rufen radikale Islamisten im Netz auch zu Anschlägen in Deutschland auf.

Teheran. Der Iran hat die weltweiten Proteste gegen das islamfeindliche Mohammed-Video zu einer Einschränkung der Internet-Freiheit seiner Bürger genutzt. Am Montag wurde der Zugang zum Mail-Dienst von Google gesperrt. Das sei eine Reaktion auf das Mohammed-Schmähvideo, meldete die Nachrichtenagentur Mehr am Montag.

Die Regierung habe auf Wunsch der iranischen Bürger gehandelt, wurde ein Regierungssprecher zitiert. Das Video, das über die Google-Tochter YouTube ins Internet gestellt worden war, habe die Menschen verärgert. Für mehrere Millionen Iraner war dies ein herber Schlag, da mit der Sperrung auch der Zugang zu Facebook ausfiel.

Ahmadinedschad kritisiert Video und Gewalt

Präsident Mahmud Ahmadinedschad kritisierte das Mohammed-Video sowie die gewaltsamen Proteste gleichermaßen. „Grundsätzlich und zuallererst verurteilen wir jede Aktion, die provokativ ist und die religiösen Ansichten und Gefühle der Menschen verletzt“, sagte er am Sonntag im Vorfeld eines Besuchs der UN-Vollversammlung dem US-Sender CNN. „Ebenso verurteilen wir jede Form von Extremismus.“

„Den heiligen Propheten zu verunglimpfen, ist sehr schlimm. Das hat sehr wenig mit Freiheit und freier Meinungsäußerung zu tun. Es handelt sich um eine Schwäche und einen Missbrauch der Freiheit, und an vielen Orten ist es ein Verbrechen“, sagte Ahmadinedschad. „Wir glauben aber auch, dass dies in einer menschlichen Atmosphäre gelöst werden muss ... Und wir mögen es nicht, wenn jemand sein Leben verliert oder – aus welchen Gründen auch immer – getötet wird, nirgendwo auf der Welt.“ Bei gewaltsamen Protesten gegen das Video waren in den vergangenen Tagen allein in Pakistan mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen.

Der Mail-Dienst von Google ist im Iran weit verbreitet. Millionen von Iranern, darunter auch Regierungsvertreter, sollen ein eigenes E-Mail-Konto bei Google haben. Trotz der Sperre waren einige Angebote von Gmail am Montag zunächst noch zugänglich. Einige Internetanbieter haben die neuen Einschränkungen wohl noch nicht umgesetzt.

Iran droht mit Boykott der Oscars

Im Iran sind derzeit nach Schätzungen mehr als fünf Millionen Web-Adressen blockiert, darunter auch Facebook. Um dies zu umgehen, setzen die Bürger spezielle Software oder Proxy-Server ein, die Datenpakete von beliebigen Adressen weiterreichen, ohne dabei die Herkunft erkennen zu geben. Schätzungen zufolge sollen rund 17 Millionen Iraner ein Facebook-Profil haben. Schon seit längerem plant Teheran eine Art nationales und „sauberes“ Internet für den Iran.

Als Reaktion auf den Mohammed-Film droht der Iran auch mit einem Boykott der Film-Oscars. Wenn die Filmakademie in Los Angeles das Video nicht verurteile, werde der Iran möglicherweise nicht an der Preisverleihung teilnehmen, teilte der stellvertretende Kulturminister des Landes, Javad Schamkadri, am Montag mit. Im vergangenen Jahr war eine iranische Produktion als bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet worden.

In der nordafghanischen Provinz Badachschan demonstrierten am Montag mehrere hundert Menschen gegen das Schmähvideo aus den USA und die Mohammed-Karikaturen aus Frankreich. Im Distrikt Keschm hätten sich am Montag zwischen 500 und 1000 Menschen versammelt gehabt, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. Sie hätten anti-amerikanische und anti-französische Parolen skandiert. Unter anderem hätten sie einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu den beiden Ländern verlangt, sollte ihr Glaube weiter verunglimpft werden. Die Demonstration sei friedlich geblieben.

Pakistanischer Politiker setzt Kopfgeld aus

Mittlerweile zwei pakistanische Politiker haben derweil Kopfgelder auf den Filmemacher von „Unschuld der Muslime“ ausgesetzt. Nach Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour lobte auch der Vorsitzende der Partei Jamiat Ahle Hadith in der Provinz Sindh umgerechnet 80.000 Euro für denjenigen aus, der dem Urheber des Mohammed-Schmähfilms „eine exemplarische Bestrafung“ zufüge, wie der US-Sender CBS (Montag) meldet. Der Parteivorsitzende Mufti Mohammad Yousuf Kasuri kündigte die Belohnung demnach bei einer Kundgebung gegen den Film am Sonntag in Karachi an.

Am Sonnabend hatte Minister Bilour umgerechnet knapp 80.000 Euro für die Ermordung des Filmemachers ausgesetzt. Dabei rief er Taliban und Al-Kaida-Mitglieder um Hilfe bei dieser „heiligen Mission“ auf. Die Regierung in Islamabad distanzierte sich von dem Aufruf. Als Produzent des umstrittenen Films gilt Nakoula Basseley Nakoula, ein in Kalifornien lebender koptischer Christ. Er ist mit seiner Familie inzwischen untergetaucht.

Anschläge auch in Deutschland?

Radikale Islamisten rufen laut einem Beitrag der Zeitung „Die Welt“ wegen des Mohammed-Schmähvideos zu Mordanschlägen in Deutschland auf. Ein Islamist unter dem Namen „Abu Assad Al-Almani“ fordere seine Glaubensbrüder auf, als Rache für das Video Attentate in Deutschland zu begehen. Das Dokument war bereits am Samstag von dem rechten Blog „Politically Incorrect“ verbreitet worden; dieser nennt die Warnung vor einer „Islamisierung Europas“ sein Anliegen.

Urheber des Aufrufs ist angeblich die „Globale Islamische Medien-Front“. Das Bundeskriminalamt teilte der „Welt“ zufolge mit, die Verlautbarung sei den Ermittlungsbehörden bekannt und

(abendblatt.de)