Atomstreit

Atomstreit mit Iran: UN-Generalsekretär fordert diplomatische Einigung

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen bauen zu wollen. Ajatollah Ali Chamenei versicherte, keine Atomwaffen zu entwickeln. „Wir stellen keine Atomwaffen her und werden dies auch niemals tun".

Teheran. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Iran zu einer raschen diplomatischen Einigung im Atomstreit mit dem Westen aufgefordert. Im Interesse von Frieden und Sicherheit müsse der Iran in der internationalen Gemeinschaft Vertrauen aufbauen, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlicher Natur sei, sagte Ban am Donnerstag auf dem Gipfeltreffen der Blockfreien Staaten (NAM) in Teheran. Dies könne geschehen, indem der Iran die Resolutionen des Weltsicherheitsrates befolge und ernsthaft mit der Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien zusammenarbeite.

Zuvor versicherte der Iran, nach den Worten seines religiösen Führers, Ajatollah Ali Chamenei, keine Atomwaffen zu entwickeln. „Wir stellen keine Atomwaffen her und werden dies auch niemals tun“, sagte Chamenei am Donnerstag bei der Eröffnung des Gipfels der Blockfreien Staaten (NAM) in Teheran. Die Verwendung von Massenvernichtungswaffen sei eine Sünde, fügte er hinzu. Der Iran werde aber sein Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomenergie nicht aufgeben.

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen bauen zu wollen. Chamenei wies dies als „Lüge“ der USA zurück. Der Streit um das iranische Atomprogramm gehört zu den zentralen Themen des zweitägigen Gipfeltreffens. Nach den Vereinten Nationen sind die Blockfreien die zweitgrößte Organisation. Ihr gehören 120 Länder an

UN-Generalsekretär Ban forderte die iranische Führung außerdem auf, ihre verbalen Angriffe auf Israel zu beenden. Erklärungen, wonach das UN-Mitglied Israel kein Existenzrecht habe, seien nicht nur total falsch, sondern untergrüben auch die Prinzipien der Vereinten Nationen. Dies gelte auch für die Beschreibung Israels mit rassistischen Worten.

Mursi brüskiert iranische Führung

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat die iranische Führung öffentlich brüskiert. In einer Rede zur Eröffnung des Gipfels der Blockfreien Staaten (NAM) am Donnerstag in Teheran sagte Mursi, die Unterstützung der Revolution in Syrien sei „eine moralische Pflicht sowie eine politische und strategische Notwendigkeit“. Die syrische Führung, deren engster Verbündeter der Iran ist, bezeichnete er als Unterdrückerregime, das jede Legitimität verloren habe.

Die iranische und die syrische Delegation unter Außenminister Walid al-Muallim verfolgten die Rede Mursis, die von arabischen TV-Sendern übertragen wurde, mit versteinerten Gesichern. Lediglich aus den Reihen der tunesischen Delegation kam zustimmendes Nicken.

Mursi verglich den Aufstand der syrischen Regimegegner gegen Präsident Baschar al-Assad mit der Intifada der Palästinenser. Den Gipfelteilnehmern redete er ins Gewissen: „Das Blutvergießen in Syrien ist eine Last und eine Verantwortung, die wir auf unseren Schultern tragen und wir müssen erkennen, dass es nicht enden wird, wenn wir nicht alle gemeinsam etwas dagegen unternehmen.“

Mit Mursi besucht erstmals seit der islamischen Revolution von 1979 wieder ein ägyptischer Präsident den Iran. Die beiden Staaten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Mursi bezeichnete den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad als „meinen lieben Bruder“, als er den NAM-Vorsitz an ihn übergab.

Mit Material von dpa, dapd