Hinrichtung im Iran

Angeblicher israelischer Spion in Teheran gehängt

In Teheran ist ein Iraner wegen des Vorwurfs der Spionage für Israel hingerichtet worden. Der Mann soll gehängt worden sein. Siadat soll 2008 versucht haben mit 29 geheimen Dokument-Seiten ins Ausland zu flüchten. Im Iran wurden in diesem Jahr mindestens 171 Todesstrafen vollstreckt.

Teheran. Erneut ist im Iran eine Todesstrafe vollstreckt worden. Ein Iraner dem vorgeworfen wurde, Spionage für Israel betrieben zu haben, sei in dem berüchtigten Ewin-Gefängnis hingerichtet worden. Die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete unter Berufung auf die Teheraner Generalstaatsanwaltschaft, dass die Todesstrafe gegen Ali Akbar Siadat am Dienstagmorgen vollstreckt worden sei. Am Dienstag soll noch eine weitere Hinrichtung stattgefunden haben. Ein Mitglied der oppositionellen Volksmudschahedin, Ali Saremi, sei ebenfalls im Ewin-Gefängnis gehängt worden.

Der Iraner Siadat soll sechs Jahre lang für den israelischen Auslandsgeheimdienst gearbeitet und diesen mit Militärgeheimnissen und Informationen über das iranische Raketenprogramm versorgt haben und war deshalb wegen "Arbeit für den Mossad“ zum Tode verurteilt worden. In einem Berufungsprozess wurde den Angaben zufolge das Urteil noch einmal bestätigt.

Der Verurteilte soll zugegeben haben, Kontakt mit einer israelischen Botschaft unterhalten und sich in der Türkei, in Thailand und in den Niederlanden mit Verbindungsleuten getroffen zu haben, berichtet die Nachrichtenagentur Irna. Den Informationen nach soll der Iraner angeblich Informationen über iranische Militärstützpunkte, Militärübungen und Rüstungsgüter "an die Feinde“ weitergegeben haben. 60.000 Dollar (45.000 Euro) soll er dafür im Gegenzug erhalten haben. Außerdem sei er mit einem Computer und anderen Gegenständen ausgestattet worden.

Bei dem Versuch 2008 mit seiner Frau das Land zu verlassen, sei Siadat dem Bericht zufolge festgenommen worden. Er soll 29 Dokument-Seiten mit geheimen Informationen bei sich gehabt haben. Seit 2008 ist es bereits das zweite Mal, dass ein Iraner in seiner Heimat wegen des Vorwurfs der Spionage für Israel hingerichtet wird.

Der Teheraner Generalstaatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi hatte zudem erst am Sonntag mitgeteilt, dass ein weiterer Angeklagter wegen Spionage für Israel zum Tode verurteilt worden sei. Israel wird immer wieder vom Iran feindliche Akte vorgeworfen, unter anderem das Ausforschen des Atomprogramms sowie militärischer Programme.

Das Mitglied der Volksmudschahedin Saremi wurde wegen "antirevolutionärer Aktivitäten“ zum Tode verurteilt und gehängt, berichtet Irna. 2007 sei Saremi festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, an "Aktivitäten antirevolutionärer Gruppen teilgenommen und sie mit Informationen versorgt“ zu haben.

Von einem "schändlichen Akt“ sprach der Nationale Widerstandsrats des Iran (NCRI), in dem sich zahlreiche im Exil agierende iranische Oppositionsgruppen zusammengeschlossen haben. Die NCRI-Vorsitzende Marjam Radschawi erklärte in Paris, die Hinrichtung Saremis sei nichts als "blinde Rache“ angesichts der Misserfolge der Teheraner Regierung. Die Frau, Tochter und Schwester Saremis sollen dem NCRI zufolge nach der Hinrichtung festgenommen worden sein.

In diesem Jahr sind mit den beiden Hinrichtungen vom Dienstag im Iran mindestens 171 Todesstrafen vollstreckt worden. In dem Land werden neben Mord und Vergewaltigung auch Delikte wie Ehebruch und Drogenhandel mit der höchsten Strafe geahndet. (abendblatt.de/afp)

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.