Bundesversammlung

Präsidenten-Wahl kostet rund eine Million Euro

Plenarsaal im Reichstagsgebäude muss umgebaut werden. Fahrtkosten der Wahlleute werden erstattet. Viele Prominente wählen mit.

Berlin. Die Bundesversammlung tritt am am 18. März zusammen, um das Staatsoberhaupt zu wählen. Die Kosten dafür werden aus dem Etat des Deutschen Bundestages finanziert. Dessen Präsident Norbert Lammert (CDU) scherzte nach der Wahl von Christian Wulff im Jahr 2010 noch, dass er sich so schnell nicht wieder die Einberufung des Wahlgremiums leisten könne. Nach nicht einmal zwei Jahren muss er das Geld nun aber doch einplanen.

Wie aus der Kostenaufstellung für das Jahr 2010 im Einzelplan des Bundestagshaushalts hervorgeht, verursachen die Entschädigungen für die Wahlleute, die keinen Wohnsitz in Berlin haben, die meisten Kosten. Ihnen werden Fahrt und gegebenenfalls eine Hotelrechnung erstattet. 467.000 Euro kostete das bei der Bundesversammlung 2010. Die Ausgaben insgesamt summierten sich damals auf 970.000 Euro.

Zu den Kosten gehört auch der zeitweilige Umbau des Plenarsaals im Reichstagsgebäude. Plätze gibt es dort im Normalbetrieb für die 620 Bundestagsabgeordneten plus Ersatzdelegierte. Bei der Bundesversammlung am 18. März müssen aber Stühle für 1.240 Wahlleute bereitstehen.

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In der Woche nach der Wahl debattieren die Abgeordneten voraussichtlich in einem noch nicht komplett wieder in den Normalzustand gebrachten Saal. Der komplette Rückbau werde wahrscheinlich erst am 27. März ganz abgeschlossen sein, sagte eine Bundestagssprecherin.

Viele Prominente von Bundesländern entsandt

Neben Politikern stimmen auch Schauspieler, Sportler sowie Vertreter aus Wissenschaft und Kirche über den künftigen Bundespräsidenten in der Bundesversammlung ab. Die Prominenten werden von den Bundesländern entsandt, die zusammen die Hälfte der 1.240 Plätze in der Bundesversammlung besetzen.

Sachsen schickt den Schauspieler und „Tatort“-Kommissar Jan Josef Liefers zur Abstimmung nach Berlin. Aus Nordrhein-Westfalen kommen der Regisseur Sönke Wortmann, der Comedian Ingo Appelt und die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Der erst kürzlich zum Trainer von Hertha BSC berufene Otto Rehhagel soll am 18. März im Sinne der Berliner CDU abstimmen. Auch die Schauspielerin Senta Berger, Verlegerin Friede Springer, der Moderator Frank Elstner und die Schriftstellerin Gaby Hauptmann sind bei der Wahl des nächsten Bundespräsidenten dabei.

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Für besondere öffentliche Aufmerksamkeit sorgte die Nominierung von Gamze Kubasik. Sie ist die Tochter eines Opfers der rechtsterroristischen Mordserie. Wie Mevlüde Genc, die bei dem rechtsextrem motivierten Brandanschlag von Solingen im Jahr 1993 fünf Angehörige verlor, wurde Kubasik von Fraktionen in Nordrhein-Westfalen nominiert. Die Benennung der Islamprofessorin Katajun Amirpur wurde von der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs als „wichtiges interreligiöses Signal“ gewertet.

Fehrs ist wie eine Reihe weiterer Vertreter aus dem Bereich der Kirchen Mitglied der Bundesversammlung. So werden auch die ehemalige Erfurter Pröpstin Elfriede Begrich und der früher bei der Diakonie tätige Sozialethiker Franz Segbers ihre Stimme abgeben. Zu den Wahlleuten gehört außerdem Gaby Hagmans vom Sozialdienst Katholischer Frauen.

Mit Material von dpa und epd