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Gender-Debatte: Muss man immer jeden ansprechen?

Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg.

Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg.

Foto: Christian Charisius / dpa Picture-Alliance

Uni-Präsident Dieter Lenzen spricht im Podcast mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider über gendergerechte Anrede.

Hamburg.  Professorinnen und Professoren, Bürgerinnen und Bürger, Wählerinnen und Wähler – ist es wirklich so wichtig, immer und überall beide Geschlechter zu nennen? Und reicht das überhaupt? Darüber sprechen Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Uni-Präsident Dieter Lenzen in der neuen Folge ihres gemeinsamen Podcasts „Wie jetzt?“

„Sie haben es einfach an der Uni“, sagt Haider zu Beginn. „Sie sagen einfach: Herzlich willkommen, liebe Studierende und Lehrende, und haben sie damit alle.“ Das seien Verhunzungsformen von Sprache, um lange Anreden zu vermeiden, erwidert Lenzen. Seine Universität hat eine Kommission eingesetzt, die sich mit dem Thema beschäftigt.

Eingriff in Persönlichkeitsrechte

Das erste Ergebnis: „Niemand kann von einer Institution oder einer Person verlangen, diese oder jene Rede- oder Schreibweise zu benutzen, weil man damit in Persönlichkeitsrechte eingreift“, so Lenzen. Soll heißen: „Jeder hat auf seine Weise die Möglichkeit, klarzumachen, was ihm an diesem Thema wichtig ist. Jeder muss sehen, welche Signale er mitsendet, wenn er nur das eine Geschlecht benennt oder beide oder gar versucht, ein Sternchen mitzusprechen. Das teilt ja auch viel über die Person mit.“

Ein Problem: Wenn ein Redner nur die weibliche Form verwendet, neige man als Zuhörer dazu zu denken, dass es nur um Frauen gehe, so Haider. Und es wird noch komplizierter: Muss es eigentlich immer „Meine sehr geehrten Damen und Herren“ heißen? Oder geht auch: „Meine sehr geehrten Herren und Damen?“

„Es war bisher immer so, dass die weibliche zuerst genannt wird. Und man kann sich natürlich fragen: Warum denn? Eigentlich wäre es logisch, dass eine Frau als Rednerin die Herren zuerst nennt und umgekehrt“, so Lenzen. „Und was ist, wenn ich einfach ‚liebe Leute‘ sage?“, fragt Haider. Die Antwort: „Dann nutzen Sie die Chance einer individuellen Ausdrucksweise. Wenn Sie das so sagen, dann passt das zu Lars Haider“, so Lenzen.