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Corona-Folgen: Schütteln wir uns nie wieder die Hände?

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Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg.

Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg.

Foto: Christian Charisius / dpa Picture-Alliance

Was wird sich nach der Pandemie ändern? Abendblatt-Chefredakteur Haider im Gespräch mit Universitäts-Präsident Dieter Lenzen.

Hamburg. Wie wird die Welt nach Corona? Das ist die zentrale Frage, über die Prof. Dr. Dieter Lenzen, gelernter Philosoph und Präsident der Universität Hamburg, und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider in der neuen Folge ihres gemeinsamen Podcasts „Wie jetzt?“ diskutieren (zu hören unter www.abendblatt.de/podcasts und auf allen gängigen Podcast-Plattformen).

„Ich bin ja geneigt, mit Ludwig Wittgenstein zu sagen: Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“, so Lenzen. Es sei schwer, die Zukunft nach Corona vorherzusagen, man könnte nur Rückschlusse aus anderen epochalen Veränderungen schließen – etwa aus der Wende: „Deren Auswirkungen spüren wir bis heute, obwohl die Wiedervereinigung 30 Jahre her ist.“ Sprechen wir also nicht über das große Ganze, sondern über das Verhalten der Menschen: „Was wird aus dem Händeschütteln, auf das ich persönlich gern verzichten kann?“, fragt Haider, der schon immer einer von denen gewesen ist, die einen Türgriff mit dem Ellenbogen herunter gedrückt haben.

Händeschütteln im Mittelalter Zeichen der Sicherheit

Bevor Lenzen konkret darauf antwortet, erinnert er daran, woher das Händeschütteln kommt, nämlich aus dem Mittelalter, womit man demonstrieren wollte, dass man in der Hand keine Waffe hat: „Der eigentliche Sinn dieses Ritual ist verloren gegangen, geblieben ist ein Symbol der Höflichkeit. Wenn das Händeschütteln jetzt auf eine Wirklichkeit trifft, in der es nicht Sicherheit, sondern Gefahr bedeutet, sollte man damit aufräumen.“

Man müsse sich als Gesellschaft überlegen, was als vertrauensbildende Maßnahme das Händeschütteln – und die Umarmung! – ersetzen könne: „Das Aneinanderschlagen der Ellenbogen wird es sicher nicht sein“, sagt Lenzen. Was sich durch Corona noch ändern werde, sei der „Umgang mit den Körpersekreten“: Wer niest oder schnupft, Bleibe zu Hause, um andere nicht anzustecken. Wer eine öffentliche Toilette benutzt, hinterlässt sie wirklich so, wie er sie im Idealfall vorgefunden hat. „Wir sollten uns die Japaner zum Vorbild nehmen. Dort ähnelt eine Toilette eher einem Operationssaal“, so Lenzen.

Chancen sieht er nach Corona auch im Bildungswesen: „Ich gehe davon, dass wir sowohl in den Schulen und Universitäten als auch sonst einen Digitalisierungsschub erleben werden. Denn viele haben die neuen Medien stärker genutzt als bisher, und dabei festgestellt, dass das alles gar nicht so schwer ist.“