Podcast "Vier Flaschen"

Warum manche Weine geschüttelt werden müssen

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In unserem Podcast haben wir diesmal einen Winzer zu Gast, der sich seit 2006 dem biodynamischen Weinanbau verschrieben hat.

Auch mich habt ihr dazu gebracht, lieber gar keinen als schlechten Wein zu trinken. Gefährlich ist, dass ich eure Podcasts seit knapp zwei Wochen täglich höre und immer Lust auf ein Gläschen bekomme“, schreibt Angelina. Und Pascal: „Ich selber habe überhaupt keinen Wein getrunken, bis ich zum ersten Mal euren Podcast gehört habe. Mittlerweile habe ich richtig Spaß daran, auch Bekannten und Freunden die leckeren Weine zu zeigen.“

Das sind zwei von vielen Briefen und Stimmen aus der wachsenden Fangemeinde unserer Reihe „Vier Flaschen“, in der Kenner Michael Kutej, Riesling-Liebhaber Lars Haider und (der ehemalige) Biertrinker Axel Leonhard in die Welt der Weine einführen. Diesmal haben die drei einen Winzer zu Gast, der sich seit 2006 dem biodynamischen Weinanbau verschrieben hat – und bei dessen Flaschen vieles anders ist als bei denen der Konkurrenz, vom Verschluss bis zu den Texten auf den Etiketten.

Wann man Weine schütteln muss

Gernot Heinrich kommt aus Gols im äußersten Osten Österreichs, kurz vor der Grenze zu Ungarn. Er gehört mit seinem Weingut Organisationen wie Pannobile und Respekt an, die Weine so natürlich wie möglich produzieren wollen. Im besten Fall bestehen die ausschließlich aus Trauben, kommen also ohne Zusätze aus.

„Im biodynamischen Anbau steckt aber noch mehr. Man unterstützt die natürlichen Kreisläufe, in die man als Winzer möglichst wenig eingreift, und erzielt dadurch ein besseres Ergebnis“, sagt Heinrich. Und die Zahl der Menschen, die sich für Naturweine begeistern können, wächst: „Gerade junge Leute wissen die Lebendigkeit dieser Weine zu schätzen.“

So wie für den Roten Traminer Freyheit 2018, einen Weißwein, der in einer Tonflasche steckt, ohne Schwefel auskommt und, Achtung, vor dem Trinken geschüttelt werden soll/muss, damit sich die naturtrübe Hefe besser verteilen „und den Wein auf natürliche Weise frisch machen kann“, so Heinrich. „Für viele ist es schon gewöhnungsbedürftig, eine Weinflasche zu schütteln. Aber im Prinzip kann und sollte man das mit allen Weinen machen, die hefetrüb abgefüllt werden.“ Die Hefe schütze den Wein „auf Lebenszeit“ vor Oxidation.

„Er huldigt der beerigen Frucht"

Im Glas ist der Weißwein, der in Amphoren (!) vergärt, nicht so klar, wie man das sonst von einem Weißwein gewohnt ist: „Sieht eher aus wie ein Weizenbier“, sagt Axel Leonhard. Und riecht wie ein Blütenkorb, „sehr aromatisch, fast schon parfümiert“, sagt Kutej, obwohl der Wein extrem trocken sei und kaum Zucker enthalte.

„Viele Leute haben Vorbehalte gegenüber solchen Weinen, die vom Aussehen an naturtrüben Apfelsaft erinnern. Ich selbst mag so etwas total gern.“ Günstig ist die Flasche mit 27 Euro allerdings nicht. Doch Kutej verteidigt den Preis: „Wenn du nur mit der Natur arbeitest, bekommst du das sauberste Lebensmittel, das es geben kann. Und das ist doch entscheidend bei allem, was man zu sich nimmt.“

Heinrich ist das wichtig – und auch sonst macht er vieles anders als normale Winzer. Das sieht und liest man auf dem Etikett von Flasche Nummer zwei, einem Pinot Freyheit 2017, der wie folgt beschrieben wird: „Er huldigt der beerigen Frucht mit ihrem hell erröteten Antlitz. Er verehrt den Glimmerschiefer, aus dem er stammt und der ihn festigt. Er streckt sich gen Sonne und feiert den Luft-erfüllten Raum, in dem die Schönheit des Nichtstuns eine behütete Heimat gefunden hat.“

Weine können mit Glaskorken länger liegen

Die Texte stammen von Sommelier Peter Müller, der Wein schmeckt nach Zwetschgenröster und hat für einen Rotwein mit 11,5 Prozent sehr wenig Alkohol. Und er ist, wie nahezu alle Flaschen von Heinrich, mit einem Glaskorken verschlossen: „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Winzer. Der Verschluss garantiere, dass Weine auch bei langer Liegezeit nichts von ihrer Qualität einbüßen, er ist wiederverwertbar – und billiger als ein Naturkorken. Die Flasche kostet um die 20 Euro.

Der dritte Wein ist ebenfalls unfil­triert: Der Ried Alter Berg Blaufränkisch 2017 ist 29 Monate in der Amphore und in Eichenfässern gereift und deutlich kräftiger und dunkler als der Pinot Freyheit. In die Amphoren passen 1000 Liter, der Wein entsteht dort, „ohne dass wir viel dazu machen müssen“, sagt Heinrich. Der zweite Rotwein schmeckt und riecht nach Kirsche und Veilchen (!) und ist laut Kutej bereits sehr gut trinkbar, obwohl er noch relativ jung ist. „Das hängt auch damit zusammen, dass wir sehr wenig schwefeln“, sagt Heinrich. Die Flasche kostet 48 Euro, „weil es eine Top-Einzellage ist und es davon gar nicht so viel gibt“.

Zur vierten Flasche: ein Sekt aus dem Norden Portugals, ein Soalheiro Alvarinho 2018 für 19 Euro, den man vorsichtig öffnen sollte – sonst passiert das, was einem der Gastgeber bei den „Vier Flaschen“ passiert ist … Nach dem großen Knall und einer nicht weniger großen Überschwemmung war sich die Runde einig, dass man den Espumante auch nach einem eher schwereren Rotwein gut trinken kann.

„Das ist ein Schaumwein mit Anspruch, der im Prinzip wie ein Champagner gemacht wird“, sagt Kutej. Wenn man einen Rotwein wie den Alter Berg getrunken habe, sei es schwer, sich noch zu steigern: „Danach würde ich einen nicht trockenen Weißwein empfehlen oder eben etwas Prickelndes, Leichtes wie den Sekt aus Portugal.“