Wein-Podcast

Vier Flaschen mit Paul Fürst und Cornelius Dönnhoff im Video

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Folge 13 des feucht-fröhlichen Wein-Podcasts wird zur Videokonferenz. Zwei der bekanntesten Winzer Deutschlands sind dabei.

Hamburg. Was macht man, wenn man sich normalerweise alle zwei Wochen freitags mit prominenten Gästen oder Winzern trifft, um vier Flaschen Wein zu trinken, das wegen Corona aber auf einmal nicht mehr darf? Ganz einfach: Man macht eine Video-Wein-Konferenz! Michael Kutej, Inhaber der Hanse-Lounge in Hamburg und kundiger Weinkenner, Lars Haider, Abendblatt-Chefredakteur und Riesling-Liebhaber, sowie Axel Leonhard, Filmemacher und (eigentlich) Biertrinker, haben genau das getan, damit ihr Podcast „Vier Flaschen“ auch in schwierigen Zeiten weitergeht.

Anfang der Woche hatte Kutej seinen Kompagnons jeweils die Flaschen per Post zugeschickt, am vergangenen Mittwoch wurden die dann im Homeoffice geöffnet und via Chat besprochen. Und nicht nur das: In die feucht-fröhliche Videokonferenz schalteten sich auch zwei der bekanntesten Winzer Deutschlands ein: Paul Fürst und Cornelius Dönnhoff. „Das hat so viel Spaß gemacht, das machen wir jetzt immer so“, sagte Kutej.

Vier Flaschen über das Grauburgunder-Bashing

Als Erster der beiden Winzer schaltete sich Cornelius Dönnhoff ins virtuelle „Vier-Flaschen“-Studio – und bot ein spektakuläres Bild: Er hatte seinen Laptop auf drei Weinkisten in den Weinkeller gestellt, stand inmitten riesiger Fässer, in denen auch der erste Wein gelagert wurde, der probiert wird: ein Grauburgunder aus dem Jahr 2018. Grauburgunder?

Da war doch was: „Es gibt ein Grauburgunder-Bashing, nicht nur bei den ,Vier Flaschen‘, sondern auch im Rest der Welt. Das liegt daran, dass Grauburgunder leider oft sehr austauschbar ist“, sagt Kutej. Dönnhoff gibt ihm recht: „Der Grauburgunder wird in der Öffentlichkeit meist nicht ernst genommen. Bei uns an der Nahe hat er aber eine lange Tradition. Man muss sich nur intensiv damit befassen und nicht einfach einen langweiligen Alltagswein produzieren.“

Das ist dem Winzer offensichtlich gelungen: „Der Wein ist sensationell, so frisch, den möchte man den Rest des Abends trinken“, sagt Lars Haider, der sonst wenig von Grauburgundern hält. „Du merkst sofort, wenn der Grauburgunder von einem Winzer kommt, der eigentlich für seine Rieslinge bekannt wird“, sagt Kutej. „Was ich mag, ist, dass der Wein hintenraus etwas Cremiges und Weiches hat, was den Trinkfluss enorm fördert. Und die beste Flasche ist ja immer die, die schnell leer ist.“ Diese besondere Abfüllung für die Hanse Lounge kostet 16,90 Euro.

Trinkt man mehr Wein wegen Corona?

Während sich Dönnhoff, wie gesagt, aus seinem Keller in die Video-Wein-konferenz zugeschaltet hat, steht Paul Fürst vor seinem Weingut, das mitten in den Weinbergen liegt und von dem aus man unter anderem den Main sehen kann. Der legendäre Winzer ist kurz vor der Coronakrise vom Fachmagazin „Falstaff“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden, „das war sehr emotional“, sagt Michael Kutej, der dabei war. Paul Fürst hat sein Weingut an seinen Sohn Sebastian übergeben, der an der Runde nicht teilnehmen kann, „weil er die großen Gewächse aus dem Jahr 2018 in die Flasche bringen muss, und das erfordert höchste Konzentration“.

Probiert wird von Fürst ein Weißer Burgunder pur mineral 2018, den der Winzer selbst als einen seiner „soliden und nicht sehr teuren Weine“ beschreibt. Die Flasche kostet immerhin 14,50 Euro. Zur Erinnerung: Im Schnitt gibt der Deutsche für eine Flasche Wein gerade einmal drei Euro aus.

Warum hat Michael Kutej genau diesen Wein ausgesucht? Die erstaunliche Antwort: „Es ist ja eine Gefahr in Zeiten wie diesen, in denen man viel zu Hause ist, dass man zu viel trinkt. Deswegen habe ich heute keine Weine ausgesucht, die weniger als zehn Euro kosten. Wenn der Wein teurer ist, überlegt man sich vielleicht eher, ob man die ganze Flasche an einem Abend oder doch lieber an zweien oder dreien trinkt.“

Ein Chardonnay, der keine Chance zum Anecken hat

Zum Wein: Der ist knochentrocken, „genau wie unsere Böden“, sagt Fürst. „Mir ist wichtig, dass man schmecken kann, woher die Weine kommen. Sie müssen das Weingut und am besten noch den Weinberg verkörpern.“ Und Kutej ergänzt: „Ich schätze den Weißburgunder noch etwas mehr als den Grauburgunder, weil er feiner und filigraner ist und deshalb ein idealer Begleiter bei Speisen.“

Tatsächlich ist der sogenannte Gutswein ein Basis- oder Einsteigermodell von Fürst. „Unsere Spitzenweine sind drei Spätburgunderweine, die kosten zwischen 60 und 130 Euro die Flasche.“ Kutej erzählt, dass Fürst zwar vor allem für seine Rotweine stehe, dass er aber auch den Riesling Centgrafenberg herausragend finde.

Bei Dönnhoff kostet das beste Große Gewächs um die 50 Euro, „was für trockene Weißweine von der Nahe schon ein sehr guter Preis ist: Vor 15 bis 20 Jahren hat sich noch niemand für diese Weine interessiert.“ Deutlich mehr, nämlich ein paar Hundert Euro die Flasche, müsste man für Auslesen oder Eisweine von Dönnhoff bezahlen, von denen es aber nur „astronomisch kleine Mengen“ gibt: „Das sind Ausnahmeweine, die man gar nicht jedes Jahr produzieren kann.“

Flasche drei hat weder mit den beiden Winzern noch mit Deutschland etwas zu tun: Es ist ein Chardonnay aus Frankreich vom Weingut Didier Charton-Vachet. Von dem Montagny Cuvee Le May aus dem Jahr 2016 gibt es nur 2500 Flaschen, sie kosten pro Stück knapp unter 20 Euro.

Wenn Wein wie eine Sherry schmeckt

Der bisher teuerste Wein des Abends kommt aber nicht so gut an wie die beiden ersten, vielleicht liegt es auch daran, dass der Winzer diesmal nicht zugeschaltet ist: „Der Weißburgunder eben hat besser gerochen“, sagt Axel Leonhard. „Der fällt ein bisschen ab“, sagt Lars Haider. „Das, was wir vorher hatten, war ja auch sehr, sehr viel Wein für das Geld“, sagt Michael Kutej. „Bestimmt wird es so sein, dass wir uns morgen eher an den Dönnhoff oder den Fürst erinnern werden. Und trotzdem glaube ich, dass man den Chardonnay bei jeder Party ausschenken kann und sich niemand darüber beschweren wird. Das ist ein Wein, der keine Möglichkeit zum Anecken gibt.“

Zum letzten Wein: Der Riesling Jungfer aus dem Jahr 2015 von Peter Jakob Kühn aus dem Rheingau ist ein Großes Gewächs. Er hat einen sehr intensiven Geschmack, „fast wie ein Sherry“, sagt Lars Haider, kräftig, prägnant, beinahe scharf: „Es schmeckt mir, aber mehr als ein Glas könnte ich davon am Abend nicht trinken.“ „Den Wein habe ich vor zwei Jahren verkostet und fand ihn richtig, richtig stark“, sagt Michael Kutej.

Es könne aber trotzdem sein, dass er noch etwas Zeit brauche. „Bei Rieslingen gibt es unterschiedliche Phasen, in denen die mal besser und mal nicht so gut schmecken.“ Die Flasche kostet inzwischen mindestens 50 Euro. Das Weingut von Peter Jakob Kühn arbeite biodynamisch, die Produkte seien puristisch und minimalistisch, aber immer auf hohem Niveau.

Die nächste Folge von „Vier Flaschen“ kommt schon in einer Woche.