Kunst-Podcast

Anna Oppermanns Küche, die aggressiv macht

Lesedauer: 3 Minuten
Volker Behrens

Heute: „Fensterecke. Bezugsensemble: Der ökonomische Aspekt – Mach kleine, überschaubare, verkäufliche Objekte!“

Was für ein Durcheinander! Die Installation „Fensterecke. Bezugsensemble: Der ökonomische Aspekt – Mach kleine überschaubare, verkäufliche Objekte!“ in der Galerie der Gegenwart zeigt eine nach vorn offene Zimmerecke mit Fenster und Tür, Fotos, Zeichnungen und Bilderrahmen. Alles wirkt wie zufällig hingeworfen.
Die Arbeit, die man mancherorts auch unter der Abkürzung MKÜVO findet, trägt einen zentralen Begriff im Titel, mit dem Anna Oppermann ihre Kunst beschrieben hat: Ensemble.

Sie hat von 1979 bis 1984 immer wieder daran gearbeitet. 60 verschiedene Ensembles hat sie im Lauf der Zeit geschaffen. Sie begann meist mit einem kleinen Gegenstand in einer Zimmerecke. Dann schrieb, malte und fotografierte sie, sammelte Zitate aus Printmedien, Philosophie und Wissenschaft. Dabei benutzte sie die unterschiedlichsten Materialien und ließ das Kunstwerk den Betrachterinnen und Betrachtern immer mehr entgegenwachsen.

Oppermanns Kunst als „Wahrnehmungsübungen“

Oft findet man in einem Ensemble mehr als 100 einzelne Objekte, manche beinhalten mehr als 1000. Kunstkritiker Hajo Schiff schreibt: „Zu den unterschiedlich gestaffelten Wahrnehmungsfenstern drängt sich der Systemname Windows auf.“ Thematisch geht es um Liebe, Erotik, Sex, Ökonomie, Pathos, Mythos und Wahrheit. Oppermanns Motto lautete „vom Einfachen zum Komplizierten, vom Privaten zum Allgemeinen“.

Sie hat ihre Kunst als „Wahrnehmungsübungen“ bezeichnet. Wiederholungen, Variationen und Selbstreferenzialität spielen im Werk eine große Rolle, daraus resultiert eine Nähe zur Pop-Art, beispielsweise zum Werk Andy Warhols. Man findet bei ihr aber auch Verweise auf Story Art, Konzeptkunst und Arte Povera.
Die konservative deutsche Kunstkritik konnte mit ihren vielschichtigen, nachdenklich-vergnüglichen Arrangements zunächst nur wenig anfangen. Rezensenten schilderten sie als „wirre Selbstbekenntnisse“.

Oppermann arbeitete in Hamburg

Im Ausland sah man das anders und erkannte die Auseinandersetzung mit dem Mythos der Künstler und deren sorgfältig gepflegtem Geniekult. Anna Oppermann wurde 1940 in Eutin als Regina Heine geboren. Als sie den Hamburger Künstler Wolfgang Oppermann heiratete, nahm sie seinen Namen an und änderte bei der Gelegenheit auch gleich ihren Vornamen. Ab den 60er-Jahren arbeitete sie zunächst in Hamburg, hatte in den 70ern auch eine Gastprofessur an der Hochschule für bildende Künste inne, dann auch in Wuppertal und Berlin. Später ging sie nach Celle, wo sie im Alter von nur 53 Jahren starb.

Auch in Altona kann man sich über ihre Kunst Gedanken machen. Im Eingangsbereich des Rathauses steht eine 2,50 Meter große menschliche Figur. Um sie herum findet man Skizzen, Fotos, Zettel, Zeichnungen, Objekte, Texte und Schaukästen. Der Name dieses Ensembles aus dem Jahr 1991: „Pathosgeste – MGSMO – Mach große, schlagkräftige, machtdemonstrierende Objekte!“.