Kunst-Podcast

Erst Gips, dann Bronze: Spiel mit Licht und Dunkelheit

Lesedauer: 3 Minuten
Volker Behrens
Podcast Kunsthalle

Podcast Kunsthalle

Lars Haider spielt mit Kunsthallen-Direktor Alexander Klar „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Heute: Ein Werk von Henry Moore.

Hamburg. Einmal die Woche spielen Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – und zwar mit einem Kunstwerk. Eine halbe Stunde schauen sich die beiden ein Gemälde, eine Fotografie oder eine Skulptur an und reden darüber: „Ein Gespräch ist die beste Möglichkeit, Kunst zu erschließen“, sagt Alexander Klar.

Sie ist nicht zu übersehen. Wer in der Kunsthalle die große Treppe emporsteigt und den ersten Saal betritt, steht der überlebensgroßen Plastik „Aufrechte innere/äußere Form“ gegenüber, die in der Mitte des Raumes steht. Geschaffen hat sie der britische Bildhauer Henry Moore (1898-1986) im Jahr 1951. In Bronze gegossen wurde sie acht Jahre später.

Eines der bekanntesten Werke von Henry Moore

Sie setzt sich aus zwei Teilen zusammen, einer voluminösen, organisch geformten, nach vorn geöffneten Hülle und einer weiteren Kernfigur im Inneren. Beide komplimentieren einander. Die durchbrochene Form lässt kontrastreiche Spiele mit Licht und Dunkelheit zu. Die Skulptur war eine der ersten, die Moore zunächst aus Gips erschaffen hat.

Sie ist eine der bekanntesten Werke des Bildhauers. Danach entstand auch noch eine Version aus Ulmenholz. Moore selbst hat die Skulptur so beschrieben: „Eine Art Embryo, beschützt von einer äußeren Form, eine Mutter- und Kind-Idee“. Bereits 1939 hatte er die Idee einer inneren in einer äußeren Form in der Skulptur „The Helmet“ umgesetzt. Nach dem Krieg nahm er das Thema wieder auf. Der Kritiker David Sylvester nannte die Skulptur „mächtig und dramatisch“.

Großer Einfluss der „primitiven Kultur“

Moore galt als einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Ein großer Einfluss auf seine Werke ist die sogenannte „primitive Kultur“ gewesen. Ab den 60er-Jahren bekam er private und öffentliche Aufträge aus aller Welt, seine Werke sind auf zahlreichen öffentlichen Plätzen zu sehen. Zu seinem 80. Geburtstag schenkte er der Tate Gallery in London 36 Plastiken aus Bronze, Marmor und Gips. In der anschließend eingerichteten Ausstellung zählte man 20.500 Besucher.

Seine Kunst war im 20. Jahrhundert sehr populär, wahrscheinlich, weil sie nicht nur abstrakt ist, sondern immer wieder auch den menschlichen Körper thematisiert. Bekannt ist er für seine liegenden Figuren und Skulpturen von Müttern mit Kindern. Ein Jahr später sorgte Helmut Schmidt dafür, dass nicht der Sieger des entsprechenden Wettbewerbs, sondern die Plastik „Two Large Forms“ seines Freundes Henry Moore im Bonner Bundeskanzleramt aufgestellt wurde.

Moore: „Künstler sein bedeutet Glauben an das Leben“

Sein künstlerisches Credo hat Moore so niedergeschrieben: „Mich bewegt am stärksten eine Skulptur/die vollblütig und autark, vollrund ist;/sie ist nicht symmetrisch,/sie ist statisch, kraftvoll und vital/sie strahlt etwas von der Energie großer Berge aus./Sie hat ein Eigenleben, unabhängig/von dem Gegenstand, den sie darstellt./Meiner Überzeugung nach ist alles Leben Konflikt;/Kunst und Leben bestehen aus Widerstreit./In der großen Kunst ist der Konflikt verborgen, er bleibt ungelöst./Schönheit ist etwas Tieferes als etwa/Vollkommenheit, Niedlichkeit, Liebreiz, Hübschheit oder Anmut./„Schön“ bedeutet für mich viel mehr als das./Künstler sein bedeutet Glauben an das Leben./Alles, was energiegeladen ist, ist beunruhigend/- und nicht vollkommen. Es ist das Leben./Das andere ist das Ideal. Mich könnte es nie befriedigen.“

Dieses und weitere Werke finden Sie in der Online-Sammlung der Hamburger Kunsthalle