Kunst-Podcast

Warum Namen für Bilder und Kinder wohlüberlegt sein sollten

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Lars Haider spielt mit Kunsthallen-Direktor Alexander Klar „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Heute: ein Bild von Ernst Wilhelm Nay.

Hamburg. Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider spielt mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, einmal in der Woche „Ich sehe was, was du nicht siehst“.

Heute wird es an dieser Stelle besonders bunt. Für sein Ölbild „Akkord in Rot und Blau“ stürzte sich Ernst Wilhelm Nay (1902-1968), der nicht nur Maler war, sondern auch als Grafiker arbeitete, sozusagen kopfüber in die Primärfarben.

Kreisformen, die an Blumen oder Sterne erinnern

Man zählt das abstrakte Bild zur Gruppe der so genannten „Scheibenbilder“, die insgesamt rund 350 Werke umfasst und sein Schaffen zwischen 1954 und 1962 dominierte. Dieses Bild entstand 1958. Nay drehte bei diesen Werken seinen Pinsel und schuf so Kreisformen, die an Blumen oder Sterne erinnern, und die er zu spannungsvollen Kompositionen arrangierte.

Die „Scheibenbilder“ sind seine längste, bekannteste und künstlerisch sowie finanziell bedeutendste Epoche. 2017 erzielte sein Bild „Scheiben und Halbscheiben“ aus dem Jahr 1955 bei einer Auktion in München 2,3 Millionen Euro.

Ernst Wilhelm Nay wechselte zur freien Farbsetzung

Nay gilt als Vertreter der klassischen Moderne und als einer der bedeutendsten Maler der deutschen Nachkriegskunst. Sein Werk durchläuft mehrere zum Teil deutliche voneinander abgrenzbare Phasen. Im Laufe der Zeit wandelte er sich vom gegenständlichen zum abstrakten Maler und wechselte vom Expressionismus zur freien Farbsetzung.

Der geborene Berliner begann eine Buchhändlerlehre, die er aber abbrach. Als Künstler war er Autodidakt bis Carl Hofer ihn in seine Malklasse an der Hochschule der Bildenden Künste aufnahm.

Lübecker Museum kaufte Nays Werke

Das Museum in Lübeck war 1926 eines der ersten, das Nays Werke kaufte. Der Norweger Edvard Munch unterstütze ihn finanziell und sorgte dafür, dass Nay drei Monate lang auf den Lofoten leben und arbeiten konnte.

Den Zweiten Weltkrieg überlebte er in Südfrankreich, der Bretagne und Le Mans, wo er als Kartenzeichner arbeitete. Während dieser Zeit besuchte er seinen Kollegen Wassily Kandinsky in Paris, ebenfalls ein Meister der abstrakten Malerei, und der Schriftsteller Ernst Jünger nahm Kontakt zu ihm auf. In Frankreich erfuhr Nay im Krieg mehr Anerkennung als in Deutschland, wo er verfemt war.

Hamburg spielte in Nays Leben eine Rolle

Nay war ein weit gereister Mann, in dessen Leben auch Hamburg eine Rolle gespielt hat. 1947 zeigte der Kunstverein seine Werke in einer Ausstellung. Sechs Jahre später übernahm er eine Gastdozentur an der Landeskunstschule der Hansestadt.

Sein Ruhm verbreitete sich über Deutschlands Grenzen hinaus. 1957 war er an der Ausstellung „German Art of the Twentieth Century“ im Museum of Modern Art in New York beteiligt. Zwei Jahre vorher hatte er ein künstlerisches Manifest geschrieben: „Vom Gestaltwert der Farbe“.