Kunst-Podcast

Traurig oder albern? Der Friedhof der Kuscheltiere

Lesedauer: 3 Minuten

Lars Haider spielt mit Kunsthallen-Direktor Klar "Ich sehe was, was du nicht siehst". Heute: ein Werk von Annette Messager.

Hamburg. Einmal die Woche spielen Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – und zwar mit einem Kunstwerk. Eine halbe Stunde schauen sich die beiden ein Gemälde, eine Fotografie oder eine Skulptur an und reden darüber: „Ein Gespräch ist die beste Möglichkeit, Kunst zu erschließen“, sagt Alexander Klar.

Kuscheltiere, an Nägeln befestigt, hängen symmetrisch angeordnet an der Wand. Das Kunstfell eines Teddybären ist da zu sehen, auch die „Haut“ eines Esels und ein etwas undefinierbares Tier, das an den Rosaroten Panther erinnert. Dazwischen: Einzelteile. Hier eine Pfote, dort ein Schwanz oder etwas, das ein Ohr sein könnte.

Das Werk können Sie hier in der Online-Sammlung der Kunsthalle sehen

Auch wenn es Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider im Gespräch mit Kunsthallen-Direktor Alexander Klar zunächst an die Verloren/Gefunden-Kiste aus dem Kindergarten erinnert, dies ist kein Zufallsprodukt, sondern eine Assemblage, eine Objekt-Collage, der französischen Künstlerin Annette Messager mit dem Titel „Les restes“ (Die Reste).

Annette Messager sorgte an der sechsten Documenta für Aufsehen

Entstanden ist das Werk 1998, von der Kunsthalle erworben wurde es zwei Jahre später über den internationalen Kunsthandel direkt aus dem Besitz der Künstlerin. In der Galerie der Gegenwart hängt es jetzt wieder seit einigen Monaten.

Annette Messager wurde 1943 in Berck im Norden Frankreichs geboren. Als Kind habe sie davon geträumt, Nonne oder Balletttänzerin zu werden, sagt sie – wurde dann aber Künstlerin und lebt inzwischen mit ihrem Mann, dem Künstler Christian Boltanski, in Paris und Malakoff.

1977 sorgte sie mit ihrer Teilnahme an der sechsten Documenta in Kassel für Aufsehen, auch 2002 war sie dort vertreten. Zudem stellte sie 1980, 2003 und 2005 bei der Biennale di Venezia aus und gewann dort vor 15 Jahren den Goldenen Löwen.

Entsorgte, nicht mehr geliebte Relikte einer Kindheit

Seit den 80-ern arbeitet Annette Messager unter anderem mit bunten Stofftieren als Material ihrer Kunst. Und was auf den ersten Blick harmlos, ja fast naiv erscheinen mag, ist es nicht: „Es gibt nichts Unschuldiges in ihrem Werk und das gab es auch nie“, urteilt etwa der „Guardian“. In der Tat wirken die Objekte in „Les restes“ wie entsorgte, nicht mehr geliebte Relikte einer Kindheit und könnten sogar aus dem Müllcontainer an die Wand befördert worden sein.

Doch wie immer gibt es hier nicht nur eine Sicht und der Kunsthallen-Direktor verweist darauf, dass es auch bei dieser Assemblage nicht um akademisches Vorwissen, sondern ein sich Einlassen auf ein unbekanntes Kunstwerk geht.