Kunst-Podcast

Wie ein Hut aus einem Bild große Kunst macht

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Lars Haider spielt mit Kunsthallen-Direktor Alexander Klar „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Heute: Ein Werk von Edvard Munch.

Eng zusammengerückt und doch seltsam verloren stehen drei Mädchen in einer nordischen Sommernacht auf der Landungsbrücke von Asgardstrand. Zwei von ihnen blicken mit gesenkten Köpfen ins Wasser; ein drittes, weiß gekleidetes Mädchen, das im Vordergrund steht, hat sich umgewandt und seinen gelben Strohhut abgenommen. Sein Blick gleitet in die Ferne.

So beschreibt Florian Britsch das Gemälde „Mädchen auf der Brücke“ (1901) des berühmten norwegischen Malers Edvard Munch (1863-1944). „Munch könnte eine solche Szene selbst beobachtet haben. 1889 verbrachte er den ersten von vielen Sommern in dem aufstrebenden Badeort am Oslofjord; 1898 erwarb der Künstler dort ein einfaches Fischerhaus.

Eine symbolische Darstellung von Weiblichkeit

Von 1901 bis zu seinem Tod hat er sich mit diesem Motiv auseinandergesetzt – als symbolische Darstellung von Weiblichkeit und zugleich als Reflexion seines eigenen Verhältnisses zur Welt“, so Britsch in seinem Text für die Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Seit 1961 ist das 83,8 Zentimeter mal 129,6 Zentimeter große Ölgemälde auf Leinwand im Besitz des Museums; dort ist es in der Sammlung der Klassischen Moderne aufbewahrt und freut sich über die Gesellschaft von „Mädchen am Meer“ (1906/07), „Selma Fontheim“ (1894) sowie zwei Madonnen-Darstellungen (um 1895).

Natürlich kommt einem bei dem Brückenmotiv auch sofort das bekannteste Werk des Norwegers in den Sinn: „Der Schrei“, vier Gemälde und eine Lithographie, die zwischen 1893 und 1910 entstanden, im Munch-Museum in Oslo sowie in der norwegischen Nationalgalerie hängen. Dort ist übrigens auch die erste Version der „Mädchen auf der Brücke“ beheimatet. Auf dem Bild stehen sie vor einer nächtlichen Landschaft, die von der Silhouette eines riesigen Lindenbaumes dominiert wird.

Das Hamburger Gemälde konzentriert sich dagegen auf die Figuren. Vom Baum ist lediglich ein dunkler Schatten im Wasser zu sehen – als Pendant der nach innen gerichteten Blicke. Durch die perspektivische Flucht des Geländers nimmt die Szene den Betrachter gefangen. „Munch zeigt weniger das Bild einer äußeren als vielmehr das einer inneren, seelischen Landschaft“, so Britsch.

Dieses und weitere Werke können Sie hier in der Online-Sammlung der Kunsthalle sehen.