Kunst-Podcast

„Das Bild hätte der Bundespräsident gern“

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Podcast Kunsthalle

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Lars Haider spielt mit Kunsthallen-Direktor Alexander Klar "Ich sehe was, was du nicht siehst": Diesmal ein monumentales Gemälde.

Hamburg. Schon früh als Jugendlicher soll Adolph Menzel wie besessen gezeichnet haben: zunächst in der väterlichen Druckwerkstatt, die er als 16-Jähriger übernahm, später als Chronist seiner Zeit und seines Umfelds, indem er kleine, aber durchaus beachtliche Ölbildchen anfertigte. Seine Manteltaschen sollen ausgebeult gewesen wein, weil er stets Stifte und Anspitzer mit sich trug. Dennoch: Wer hätte geahnt, dass aus dem gerade mal einen Meter und fünfzig kleinen Einzelgänger mal der bedeutendste deutsche Realismusmaler werden sollte? Er vermutlich am wenigsten.

Doch ein erklärtes, hehres Ziel hatte Menzel: Er wollte Ölbilder zur Geschichte seiner preußischen Heimat und zu Friedrich dem Großen malen (was er übrigens auch tat, neben Eisenwalzwerken, Berliner Hinterhäusern im Schnee und Damen, die ihren Mokka im Freien nehmen). Adolph Menzel, 1815 in Breslau geboren, absolvierte seine Ausbildung an der weltberühmten Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Der Maler, Zeichner und Illustrator war begeistert von den demokratischen Idealen der Bürgerlichen Revolution; bei den Barrikadenkämpfen der Berliner Märzrevolution 1848 war er allerdings nicht dabei.

Menzel soll die Einschusslöcher in den Häuserwänden gezählt haben

Menzel traf am 21. März in der Stadt ein, die schon in den Händen der Bürger war. Am Tag darauf wurden die 183 Opfer des Militäreinsatzes vor der Neuen Kirche auf dem Gendarmenmarkt aufgebahrt. Diesen historischen Augenblick hielt der Maler im Gemälde „Die Aufbahrung der Gefallenen der Märzrevolution in Berlin fest“ (1848) fest. Menzel soll durch die Straßen gestreift sein, die Barrikaden betrachtet und die Einschusslöcher in den Häuserwänden gezählt haben, um möglichst detailgetreu zeichnen zu können. In den Handlungen und Gesichtern der Anwesenden spiegeln sich der Triumph der Bürger und die tiefe Trauer über die Getöteten.

Diese Gleichzeitigkeit faszinierte Menzel, schreckte ihn aber auch ab. Es war dieser Kontrast, der die politischen Widersprüche der Revolution ausdrückte und die dazu führten, dass Menzel sein Bild nicht vollendete, was an den skizzenhaften Figuren am linken unteren Rand erkennbar ist. Insofern kann das Bild als Beweis für seine bürgerlich-liberale Überzeugung gesehen werden, die am Ende überwog. Adolph Menzel starb, hoch geehrt, 1905 in Berlin.

Dieses und weitere Gemälde können Sie auch hier in der Online-Sammlung der Kunsthalle sehen.