Kunst-Podcast

Das wohl bekannteste Kinderbild deutscher Kunstgeschichte

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Podcast Kunsthalle

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Chefredakteur und Kunsthallen-Direktor sprechen über „Die Hülsenbeckschen Kinder“ von Philipp Otto Runge – und damit um Eimsbüttel.

Hamburg. Dass in Eimsbüttel viele Kinder leben, ist auch heute (wieder) so, aber so idyllisch wie einst dürften es dort selbst bestverdienende Hipsterfamilien nicht haben. Ein Einzelhaus, eingezäunt, grün bewuchert, ein paar Sonnenblumen am schmucken Gartenzaun? So zeigt es der deutsche Maler Philipp Otto Runge; sein Ölgemälde „Die Hülsenbeckschen Kinder“ von 1805/1806 gehört nicht nur zu den bekanntesten Werken der Hamburger Kunsthalle, sondern ist das wohl bekannteste Kinderbild der deutschen Kunstgeschichte.

Und natürlich war Eimsbüttel damals noch ein Dorf vor der Stadt, im Bildhintergrund sind nicht nur Landschaft und Grün zu erkennen, sondern auch die Türme der Hamburger Hauptkirchen St. Katharinen, St. Nicolai, St. Petri und St. Jakobi. Als Runge die drei Kinder Friedrich, 2 (barfuß im Leiterwagen), August, 4 (mit Peitsche), und Marie, 5 (die sich verantwortungsvoll zu kümmern scheint) malte, ahnte er bereits deren Wirkung: Das realistische und doch sommerlich-zauberhafte Bild werde „viel Effect machen“, schrieb er zuversichtlich und erläuterte sein Motiv: „Hülsenbecks Kinder, worauf die beyden Größten das Kleine im Garten fahren, wo bey der Garten und Hamburg alles Porträt ist“.

Runge pflegte Briefwechsel mit Goethe und Clemens Brentano

Als das Gemälde entstand, war Runge selbst gerade Vater geworden. Zu sehen sind die (recht ernsthaften) Kinder des Compagnons seines Bruders vor dem Hülsenbeckschen Landhaus. Bei der „Kommissions- und Speditionshandlung“ Hülsenbeck, Runge & Co hatte auch Philipp Otto Runge mit 18 Jahren eine Kaufmannslehre begonnen, was ihm allerdings nicht sonderlich behagte. Lieber verbrachte er die Zeit mit dem Zeichnen, später fertigte er Scherenschnitte und pflegte Briefwechsel mit Goethe und Clemens Brentano.

Goethe lobte die Arbeiten seines früh verstorbenen Zeitgenossen überschwänglich: „zum Rasendwerden“ sei das, schwärmte er einmal, „schön und toll zugleich“. Schreiben konnte Runge übrigens auch: Das Märchen „Vom Fischer un syne Fru“ stammt aus seiner Feder. Und Runge selbst wurde ebenfalls zur Romanfigur: In seinem „Der Butt“ schuf ihm der Literaturnobelpreisträger Günter Grass ein literarisches Denkmal.

Hier geht es zu dem Bild „Die Hülsenbeckschen Kinder“