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„Hausbesuch“: Wie eine Ruine zum Traumhaus wurde

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Stefan und Tatiana Timmann in ihrem denkmalgeschützten Hufnerhaus in den Vierlanden.

Stefan und Tatiana Timmann in ihrem denkmalgeschützten Hufnerhaus in den Vierlanden.

Foto: Roland Magunia

Und wie wohnst Du so? In der neuen Folge geht es um die Timmanns und das alte Bauernhaus, in das sie sich verliebten.

Hamburg. Ihr Traum von einem alten Haus war so groß, dass sie manches taten, worüber ihr Umfeld nur den Kopf schütteln konnte. Fünf Jahre lang haben Tatiana und Stefan Timmann nach ihrem Traumhaus gesucht. Am Ende verkauften sie ihren Neubau in Kirchwerder und erwarben im Gegenzug eine Ruine. „Meine Mutter hat lange nicht mehr gelacht, als wir das Haus gefunden hatten“, erinnert sich Stefan Timmann.

Der Grund? Die Timmanns hatten sich vor fünf Jahren in ein verfallenes Bauernhaus am Altengammer Elbdeich verliebt. Der Zustand: katastrophal. „Das ganze Fachwerk war marode und im Reetdach waren Löcher, wo es durchgeregnet hat“, sagt Tatiana Timmann. Zudem waren die Balken morsch und das Haus stand bis zur Decke voll mit Gerümpel. „Allein das Ausräumen hat ein Jahr gedauert.“

Haus steht seit 305 Jahren hinter dem Elbdeich

Dadurch fanden sich jedoch auch ein paar Schätze wie eine alte Holzkiste mit Glasplattenfotografie von vor über 100 Jahren. „Darauf sieht man, wie die Umgebung und das Haus vor 100 Jahren ausgesehen haben“, so Stefan Timmann. Das Haus selber steht bereits seit 305 Jahren hinter dem Elbdeich. Die Geschichte wollte das Ehepaar fortschreiben.

„Wenn man so ein Haus neu bauen würde, könnte es ähnlich aussehen, aber es erzählt nicht die Geschichten. Die 300 Jahre kann man mit Geld gar nicht aufwiegen“, sagt Stefan Timmann. Also lautete das Motto: Ärmel hochkrempeln und Hand anlegen. Auch nach dem Ausräumen, mischte das Paar bei der Sanierung kräftig mit. Und es gab einiges zu tun. Vom Dachdecken bis zum Freilegen der Wände. „Der Aufwand, ein altes Haus so alt wie möglich zu erhalten, ist unfassbar.“

Unterstützung vom Denkmalschutzamt

Unterstützung bekamen sie vom Denkmalschutzamt. „Die waren mega happy, dass wir das Haus erhalten wollten, weil es in Hamburg das einzig verbliebene in der Art ist“, weiß Stefan Timmann. Das Besondere: Über eine Deichbrücke gelangt man direkt ins Obergeschoss des Hauses. Zudem handelt es sich beim „Haus Anna Elbe“, wie die Timmanns ihr neues Domizil getauft haben, um ein Zweiständerhaus, bei dem das gesamte Gewicht von nur zwei Hauptständern gehalten wird. „Man könnte die Außenwände wegnehmen und es würde nicht zusammenbrechen.“

Ende 2017 zogen die Timmanns mit ihren drei Kindern schließlich ein. Zusammen bewohnt die Familie 80 Qua­dratmeter. Küche, Wohn- und Arbeitsbereich befinden sich in einem Raum. Zwei Kinderzimmer und ein Bad liegen daneben. Ein eigenes Schlafzimmer haben die Eltern nicht. Sie nächtigen auf einer über der Küche eingebauten Hochebene. Der Kleiderschrank steht neben dem Herd. „Ich habe mir chinesische Faltsysteme angeeignet, damit ich Röcke und T-Shirts möglichst platzsparend da reinbekomme“, sagt Tatiana Timmann und lacht.

Vieles hängt bei den Timmanns unter der Decke

Fahrräder, Gitarren, Deko – vieles hängt bei den Timmanns unter der Decke. „Es ist schon mit Einschränkungen verbunden“, so Stefan Timmann. Doch das Haus und der Elbblick wiegten die Enge auf. „Wir lieben dieses Haus hier über alles.“

Wohnpodcast: Rundgang durchs Haus von Tatiana und Stefan
Wohnpodcast: Rundgang durchs Haus von Tatiana und Stefan

Mit dem Hauskauf hat sich das Paar noch einen weiteren Traum erfüllt. Vier Ferienwohnungen mit jeweils einer Sauna im Bad haben sie über dem Wohnbereich eingebaut. Im Garten stehen vier Waldhütten und zwei Baumzelte. In der alten Diele, die an das Wohnzimmer grenzt ist ein Veranstaltungsraum für Hochzeitsfeiern und Geburtstage entstanden. In den Sommermonaten wird der Raum jeden Sonntag zum Hof-Café. Mittlerweile haben beide ihren Job als Werber an den Nagel gehängt. „Wir sind jetzt beide Mädchen für alles. In der Gastronomie und bei der Ferienwohnungsvermietung“, sagt Tatiana Timmann.

Den Trubel vermissen sie nicht

Wie es sich Tür an Tür mit einer Partylocation lebt? „Wenn der DJ nebenan die Boxen lautdreht, dann scheppert hier das Geschirr“, sagt Stefan Timmann. „Wenn wir mal nicht an der Bar stehen, dann schlafen wir bei den Kindern.“ Dort sei es ruhig, auch wenn nebenan die Korken knallen.“

Den Trubel belebterer Stadtteile vermissen die beiden nicht. Im Gegenteil. Sie schätzen den dörflichen Charakter in Altengamme. „Wir haben uns komplett in die Gegend verliebt.“ Manchmal legen sie jedoch einen „Stadt-Tag“ ein. Dann geht es in die City. Auch wenn der Weg lang und steinig war, ihre Entscheidung, so ein großes Projekt zu wagen, bereuen die Timmanns nicht. „Wir hatten diesen Traum schon so lange. Wir mussten es unbedingt probieren“, sagt Tatiana Timmann und fügt hinzu: „Wir haben schließlich nur dieses eine Leben.“

Und Stefan Timmanns Mutter? „Die lacht jetzt zum Glück auch wieder.“

Wohnpodcast

  • „Hausbesuch“ ist die neue Wohn-Gesprächsreihe von Hamburger Abendblatt und Sparda-Bank Hamburg. Explodierende Mieten, ein vielerorts leer gefegter Wohnungsmarkt – Wohnen ist zu einem der drängendsten Themen avanciert. Doch wie wohnt es sich eigentlich auf St. Pauli oder in Sasel? Allein, zu zweit, zu zehnt? Im Mehrgenerationenhaus oder der Einzimmerwohnung? Das erzählen Menschen Redakteurin Joana Ekrutt in ihren eigenen vier Wänden. Ein Stadtgespräch auf Mikroebene. Diese Folge und alle weiteren Episoden hören Sie auf www.abendblatt.de/podcast Sie haben Lust, Ihr Wohnkonzept vorzustellen? Schreiben Sie an chefredaktion@abendblatt.de