US-Wahlkampf: Obama auf Tour

Obama in Afghanistan

Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama ist am Sonnabend im Rahmen einer mehrtägigen Nahost- und Europareise, mit der er sein außenpolitisches Profil schärfen will, in Afghanistan eingetroffen.

Berlin. Der Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, Obama sei am Sonnabend von dem nördlich von Kabul gelegenen amerikanischen Stützpunkt Bagram aus zu US-Truppen in den unruhigen Osten des Landes weitergereist. Ein Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai sei erst für Sonntag geplant. Das hieße, dass Obama über Nacht in Afghanistan bliebe.

Der Senator aus Illinois war am Sonnabendmorgen zum Auftakt seiner ersten Afghanistan-Reise in Bagram angekommen, dem größten US-Militärstützpunkt am Hindukusch. Obama war nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN bereits am Donnerstagabend (Ortszeit) zu der Reise aufgebrochen und hatte kurz bei US-Truppen in Kuwait Zwischenstation gemacht. In Ostafghanistan waren am vergangenen Sonntag bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban auf einen US-Außenposten neun amerikanische Soldaten getötet worden. Die Verluste gehörten zu den schwersten der Amerikaner in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Die Internationale Schutztruppe ISAF gab den Stützpunkt in der Provinz Kunar kurz nach dem Angriff der Aufständischen auf.

Die britische BBC berichtete, Obama wolle bei seinem Besuch auch mit US-Militärkommandeuren zusammenkommen. Das Programm wurde aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Obama hat bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs im November die Truppen dort weiter zu verstärken.

In einem von der "New York Times" am vergangenen Montag veröffentlichten Schreiben Obamas hatte es geheißen, der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten wolle 10 000 weitere US-Soldaten nach Afghanistan schicken. Angesichts der zunehmenden Gewalt in Afghanistan bräuchten die Soldaten stärkere Unterstützung, meinte der Senator aus Illinois. "Als Präsident würde ich eine neue Strategie verfolgen und damit beginnen, mindestens zwei weitere Kampfbrigaden zur Unterstützung unserer Mission in Afghanistan bereitzustellen."

Rede vor der Siegessäule

In den nächsten Tagen wird Obama auch in Israel und in Jordanien erwartet. Am Donnerstag trifft er in Berlin ein. Auch London und Paris stehen auf dem Programm seiner Reise. Über einen Besuch im Irak wird weiter spekuliert. Die Einzelheiten der Reise wurden aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten. Obama wird sich bei seinen Gesprächen in den Hauptstädten erstmals detailliert zu seinen außenpolitischen Vorstellungen äußern. Gegner des schwarzen Senators werfen ihm Unerfahrenheit in internationalen Fragen vor.

Obama soll am Donnerstag abends um 19.00 Uhr vor der Siegessäule reden. Für seinen öffentlichen Auftritt soll laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" eine Art Fanmeile aufgebaut werden. Den Auftritt des US-Politikers sollen so viele Menschen wie möglich verfolgen können. Deshalb werden dem Bericht zufolge auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor Großleinwände wie zuletzt zur Fußball-EM aufgebaut. Vorgesehen sei, dass Obama etwa eine Stunde lang spricht.

Kritik aus dem republikanischen Lager

Der außenpolitische Berater des designierten republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain hat den geplanten Berlinbesuch Obamas heftig kritisiert. "Obama hält seine transatlantische Grundsatzrede in Berlin, bevor er überhaupt mit britischen und französischen Politikern gesprochen hat. Vielleicht sogar, bevor er deutsche Politiker trifft", sagte McCain-Berater Randy Scheunemann dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Es ist klar, dass er deren Gedanken nicht berücksichtigen will. Es ist eine Wahlkampf-Show."