Poggendorf-Affäre: HTV-Vorsitzender gerät weiter unter Druck

Durchsuchungen bei Tierschutzverein

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Wegen des Verdachts der Untreue haben 150 Polizisten und vier Staatsanwälte am Donnerstag in neun Objekten des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) nach Beweismaterialien gesucht. Der Deutsche Tierschutzbund forderte Wolfgang Poggendorf daraufhin erneut auf, sein Amt ruhen zu lassen.

Hamburg. Der Vorsitzende des HTV, Wolfgang Poggendorf, soll dem Verein eine Wohnung auf Sylt zu stark verbilligten Konditionen abgekauft haben (Wir berichteten). Ein Tierfreund hatte die Immobilie dem HTV zuvor vererbt. Der HTV wollte sich zunächst nicht zu den Durchsuchungen äußern.

Poggendorf hatte bislang alle Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, das Appartement als Alterssitz zu marktüblichen Preisen erworben zu haben. Laut Staatsanwaltschaft bezahlte er inklusive eines Stellplatzes 130 000 Euro, der Verkaufswert liege aber zwischen 192 000 und 256 000 Euro. An den Durchsuchungen in Hamburg und Umgebung sowie auf Sylt waren 150 Polizisten und vier Staatsanwälte beteiligt. Die Aktion richtete sich auch gegen die stellvertretende Vorsitzende sowie gegen den Schatzmeister des HTV, sagte Bagger. Sie seien unter anderem als Verkäufer der Sylter Wohnung aufgetreten.

Zudem wird wegen Ungereimtheiten beim Verkauf des sogenannten Gnadenhofs ermittelt. Der HTV hatte das Anwesen samt dem rund 100 000 Quadratmeter großen Grundstück bei Elmshorn (Kreis Pinneberg) in den 1980er Jahren für etwa 850 000 Euro gekauft, anschließend für rund 50 000 Euro erweitert und zudem für eine noch unbekannte Summe aufwendig renoviert. 2003 wurde der Gnadenhof dann laut Bagger für 610 000 Euro "offenbar weit unter Wert" verkauft.

"Wir prüfen, ob dem gemeinnützigen Verein, der sich dem Tierschutz verpflichtet hat, durch diese Verkäufe Schaden zugefügt worden ist", sagte Bagger. Laut Staatsanwaltschaft waren die Käufer in der Regel HTV-Mitglieder. Der 1841 gegründete Tierschutzverein hat derzeit 8000 Mitglieder und mehr als 80 Mitarbeiter.

Außerdem gibt es nach Angaben eines Testamentsvollstreckers offene Fragen bei weiteren Wohnungsverkäufen, die ebenfalls aus der Erbmasse verstorbener Tierfreunde stammten. Er sagte dem Hamburger Abendblatt, dass die vermachten Gelder nicht zweckgebunden für den Tierschutz eingesetzt worden seien. Bei den Verkäufen handele es sich um eine "unfassbare Geldverschwendung".

Der Deutsche Tierschutzbund als Dachverband forderte Poggendorf erneut auf, sein Amt während der Ermittlungen ruhen zu lassen. "Es ist jetzt wirklich an der Zeit. Damit wäre dem Tierschutz ein großer Gefallen getan", sagte Bundesgeschäftsführer Thomas Schröder. Bereits vergangene Woche hatte Tierschutzbund-Präsident Wolfgang Apel nach einem Gespräch mit Poggendorf diesen Schritt empfohlen. Der 70 Jahre alte HTV-Vorsitzende lehnte dies aber ab.

( dpa, abendblatt.de )