Seemannsmission fordert mehr Unterstützung

Besatzung braucht nach Entführungen Hilfe

Wochen voller Angst in der Gewalt von Piraten liegen hinter der Besatzung des gekaperten Frachters „BBC Trinidad“. Nach dem Ende der Entführung hat die Deutsche Seemannsmission (DSM) mehr psychologische Hilfe für die Opfer solcher Überfälle angemahnt.

Bremen. "Die Besatzung der "BBC Trinidad" wird großen Gesprächsbedarf haben", sagte DSM-Generalsekretär Pastor Hero Feenders. Seeleute gekaperter Schiffe stünden unter Dauerstress. Es bereite Todesangst, eine "unkalkulierbare Piratencrew" vor sich zu haben. "So was wird man sein Leben lang nicht los." Es fehle an internationalen Abstimmungen, in welcher Weise diesen Menschen Hilfe angeboten werden müsse und wer das übernehme. "Da ist ein großer Handlungsbedarf."

Die Seeleute bräuchten sofort "eine kurze Krisenintervention", erklärte Feenders. "Man muss sehr genau hingucken, in welcher Verfassung diese Menschen sind." Viel zu oft würden sie nach solchen Vorfällen ohne ein Hilfsangebot umgehend nach Hause geschickt, damit sie in ihrem gewohnten Umfeld zur Ruhe kommen. "Dort dürfen sie nicht sich selbst überlassen bleiben", kritisierte der Pastor.

Erhalte jemand keine psychologische Hilfe, könne es langfristig zu einer Persönlichkeitsveränderung kommen. Häufig litten die Opfer unter Schlafstörungen, seien bei der Arbeit weniger belastbar. "So manch einer ist nach solch einem Erlebnis nie mehr in der Lage, an Bord eines Schiffes zurückzukehren", sagte Feenders. Gleichzeitig sei es wichtig, dass die Seeleute sich nicht scheuten, überhaupt psychologische Hilfe anzunehmen. Auch für die verantwortlichen Reeder, die um die Besatzung gebangt hätten, müsse es Gesprächsmöglichkeiten geben.

Mehr als 700 Frauen und Männer arbeiten weltweit haupt- und ehrenamtlich für die DSM. In Deutschland ist sie den Angaben zufolge an 16 Orten vertreten, im Ausland sind die Mitarbeiter an 17 Stationen für die Seeleute da. Viele Pastoren haben nach Angaben von Feenders eine Qualifikation als Notfallseelsorger. Die Evangelische Kirche, private Spenden und freiwillige Abgaben von Reedereien finanzieren die Arbeit der Seemannsmission.