Hintergrund

Prominente Ex-Manager im Visier der Staatsanwälte

Seit Bekanntwerden des milliardenschweren Siemens- Skandals im November 2006 ist eine Reihe prominenter Ex-Manager des Konzerns ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten:

München. THOMAS GANSWINDT war früher im Zentralvorstand für den Siemens- Kommunikationsbereich Com zuständig, in dem die Schmiergeld-Affäre im November 2006 ins Rollen kam. Mit Ganswindts Verhaftung am 12. Dezember 2006 erreichte der Skandal die einstige Führungsspitze des Konzerns. Medienberichten zufolge soll er in einer Zeugenaussage beschuldigt worden sein, schon deutlich vor 2004 vom System schwarzer Kassen im Com-Bereich gewusst, diese aber geduldet zu haben. Ganswindt saß vom Oktober 2004 bis September 2006 im Zentralvorstand von Siemens.

HEINZ-JOACHIM NEUBÜRGER : Im Januar 2007 werden Ermittlungen gegen den früheren Siemens-Finanzvorstand bekannt. Auch Neubürger soll laut Medienberichten im Verdacht stehen, von schwarzen Kassen des Konzerns gewusst und dubiose Zahlungen des Konzerns gedeckt zu haben. Während seiner Zeit als Finanzvorstand hatte Neubürger als enger Vertrauter des früheren Siemens-Chefs Heinrich von Pierer gegolten und war auch als dessen möglicher Nachfolger gehandelt worden. Im Frühjahr 2006 verließ er den Konzern überraschend. Den Berichten zufolge hatte Neubürger bestritten, über Zahlungen informiert gewesen zu sein.

VOLKER JUNG : Erst Anfang Mai dieses Jahres wird bekannt, dass auch gegen Jung ermittelt wird. Er saß von Oktober 1998 bis September 2003 im Siemens-Zentralvorstand, wo er für das damalige Arbeitsgebiet Information & Communication verantwortlich zeichnete. Zu Art und Umfang der Vorwürfe gegen Jung will sich die Staatsanwaltschaft München bisher nicht äußern.

URIEL SHAREF: Auch die Vorwürfe gegen den früheren Chef der Siemens- Sparte Energieverteilung sind erst in diesem Frühjahr bekanntgeworden. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen gegen Sharef bestätigt, ohne Details zu nennen. Sharef war von Oktober 2000 bis Ende 2007 Mitglied des Siemens-Zentralvorstands und war im Zuge des tiefgreifenden Konzernumbaus aus dem Gremium ausgeschieden. Er hat aber noch einen Beratervertrag, der nach Siemens-Angaben derzeit auf dem Prüfstand steht.

JOHANNES FELDMAYER: Der frühere Zentralvorstand ist im Zuge der Affäre um dubiose Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Dabei geht es um den Verdacht, die AUB sei als Gegenorganisation zur IG Metall aufgebaut worden. Ende März 2007 war Feldmayer nach Durchsuchungen verhaftet worden und damit erstmals ein aktiver Zentralvorstand. Der frühere AUB- Bundesvorsitzende Wilhelm Schelsky sitzt wegen der Vorwürfe noch immer in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg rechnet bis Mitte Juni mit einer Anklageerhebung gegen Schelsky. Ob auch Feldmayer angeklagt wird, war zuletzt noch nicht entschieden.

HEINRICH VON PIERER: Der einstige Siemens-Chef und frühere Aufsichtsratsvorsitzende ist zwar vorerst um strafrechtliche Ermittlungen herumgekommen, gegen ihn und weitere frühere Mitglieder der Siemens-Führungsspitze wird aber wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht ermittelt. Dabei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von jeweils bis zu einer Million Euro belegt werden könnte. Wer die übrigen betroffenen ehemaligen Siemens-Manager und -Aufsichtsräte sind, hatte die Staatsanwaltschaft offen gelassen.