EU-Lateinamerikagipfel:

Chavez attackiert Merkel

Der venezolanische Präsident rückt die Bundeskanzlerin in die Nähe des Naziregimes. Damit reagierte der Staatschef auf Merkels Aussage, Chavez sei nicht die Stimme Lateinamerikas. Die Bundesregierung reagierte gelassen auf die Attacken.

Caracas/Berlin. Unmittelbar vor Beginn ihrer Lateinamerika-Reise hat der venezolanische Präsident Hugo Chavez Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf angegriffen und sie als politische Nachfahrin Adolf Hitlers bezeichnet. "Sie gehört der deutschen Rechten an, derselben, die Hitler unterstützt hat, die den Faschismus unterstützt hat. Das ist die Kanzlerin des heutigen Deutschland", sagte der linke Staatschef wenige Tage vor dem EU-Lateinamerikagipfel in Peru vor Ministern und Anhängern. "Frau Kanzlerin, fahren Sie zur ...", sagte Chavez, und setzte hinzu: "Weil sie eine Frau ist, sage ich nicht mehr." Die Bundesregierung reagierte gelassen auf die Attacken.

Merkel hatte lateinamerikanische Staats- und Regierungschefs vor dem Gipfel am 16. und 17. Mai aufgefordert, sich von Chavez zu distanzieren, der die von der EU angestrebte Marktöffnung in Lateinamerika als neoliberale Einmischung bekämpft.

Chavez stellte auch eine persönliche Auseinandersetzung mit Merkel bei dem Gipfel in Aussicht: "Vielleicht sage ich etwas zu ihr, das sie verrückt macht und sie wird sagen 'Warum hältst du nicht die Klappe'", spottete Chavez in Anspielung auf einen Eklat, zu dem er im vergangenen Jahr nach Attacken auf ihn den spanischen König Juan Carlos provoziert hatte.

Merkel selbst sagte vor der neuerlichen Attacke mit Blick auf Chavez, ein Land alleine könne die Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika nicht nachhaltig beeinträchtigen. "Präsident Chavez spricht nicht für Lateinamerika", sagte die Kanzlerin in einem Interview. Die Attacken Chavez' kommentierte Regierungssprecher Thomas Steg mit den Worten: "Die Äußerungen von Präsident Chavez sprechen für sich."

Der venezolanische Präsident hatte bereits mehrmals mit rüden Attacken gegenüber ausländischen Staatschefs für diplomatische Verstimmungen gesorgt. So hatte er US-Präsident George W. Bush 2006 vor der Uno-Vollversammlung als Teufel beschimpft. Seinen damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nannte Chavez "einen der Hunde des Teufels". Den kolumbianischen Staatschef Alvaro Uribe nannte er einen Lügner, dem man nicht einmal einen Laden an der nächsten Straßenecke betreiben lassen dürfe.