Energiestreit: Russisches Öl erreicht Deutschland

"Freundschaft" pumpt wieder

Nach Wiederaufnahme der Öllieferungen durch die weißrussische Regierung befüllte auch der russische Monopolist Transneft die Leitung.

Moskau. Russisches Öl aus der "Freundschaft"-Pipeline hat nach dreitägiger Unterbrechung wieder Deutschland und andere Kunden in der Europäischen Union erreicht. Nach der Wiederaufnahme des Öltransits durch die Regierung in Weißrussland befüllte am Donnerstag auch der russische Monopolist Transneft die Leitung wieder. "Russisches Öl fließt wieder in vollem Umfang nach Weißrussland", sagte der Transneft-Vizepräsident Sergej Grigorjew in Moskau.

Keine Subventionen mehr für Weißrussland
In Polen und Ungarn und auf der deutschen Teilstrecke der Leitung kam wieder russisches Öl an. Die Präsidenten Weißrusslands und Russlands, Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin, hatten am Mittwoch ein Ende der Blockade vereinbart. In Moskau traf am Donnerstag der weißrussische Ministerpräsident Sergej Sidorski ein, um den Streit im Detail endgültig zu regeln. Auf Forderung Moskaus hob die Regierung in Minsk eine neue Durchleitungsgebühr von 45 Dollar (34,50 Euro) je Tonne russisches Öl wieder auf. Unsicher war dagegen, ob auch Russland auf den umstrittenen Zoll von 180 Dollar je Tonne auf Ölexporte nach Weißrussland verzichtet. Moskau will die weißrussische Wirtschaft nicht länger mit billigem Gas und Öl subventionieren.

In Polen teilte der Pipeline-Betreiber in der Nacht zum Donnerstag mit, der Druck in der Röhre nehme spürbar zu und werde in absehbarer Zeit den Normalzustand erreichen. Auch den ungarischen Strang der "Freundschaft"-Pipeline sei ab Mitternacht erneut Öl aus Russland gepumpt worden, berichtete der Rundfunk in Budapest unter Berufung auf den Mineralölkonzern MOL.