Glosse

Der Einkauf im Supermarkt mit der Maus

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Foto: Michael Zapf

Erster Akt: Tierische Begegnung beim Lebensmitteleinkauf in Altona. Vor dem Milchschrank huschen zwei hellgraue Mäuse an meinen Füßen vorbei. Flugs verschwinden sie unterm K&K-Regal. Kekse und Kuchen. Schreck lass nach. „Zum Mäusemelken“, sagt die humorvolle Seite in mir. „Aber bitte nicht im großen Supermarkt“, meint die andere.
Zweiter Akt: Lustvoll bunkerst du daheim den Honigkuchen im Geheimfach. Mit kandierten Früchten, ein Traum. Kalorienreiches steht bei uns auf dem Index. Aus schwergewichtigem Grund. Doch halt! An der rechten Seite ist die Verpackung aufgerissen. In der Kuchenmasse befindet sich eine Aushöhlung. Sieht dubios aus. Im Ladenlager haben doch nicht etwa Nager genascht? Nachdem der Sündenfall zu Hause gebeichtet ist, begutachtet die nicht nur in Biologie besser bewanderte Tochter die Malaise. „Kein Zweifel“, befindet sie. Spuren von Knabberzähnen an der Klarsichtfolie!
Dritter Akt: Eine Angelegenheit fürs Gesundheitsamt. Andererseits: Petzen ist tabu. „Oh!“, staunt der irritierte Filialleiter am Tag danach. Prompt gibt es das Geld zurück, aber keine Entschuldigung.
Finale: „Das Problem haben wir leider ständig“, flüstert die Kassiererin später. „Schon oft waren die Kammerjäger da.“ Ihre Kollegin ergänzt: „Ich habe schon in vielen Supermärkten gearbeitet. Überall waren Mäuse oder sogar Ratten am Werke.“ Irgendwie tröstlich. Oder auch nicht.

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