Glosse

Eine Rute für den HVV zum Nikolaustag

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Foto: Michael Zapf

Bevor sich ein kollektiver Sympathieschleier über uns legt und wir uns in der Adventszeit alle ungemein lieb haben, sei die Rute hervorgeholt – passend zum heutigen Nikolaustag. Denn Naschkram, Nüsse und Südfrüchte hat sich der Hamburger Verkehrsverbund HVV wahrlich nicht verdient. Eher einen Tadel für kundenunfreundliches Verhalten.

Ersatzweise gibt es einen Preis für gutes Vermarkten mittelmäßiger Leistungen. Anlass ist der Fahrplanwechsel jetzt am Wochenende. Unter dem Mäntelchen angeblicher Verbesserungen sollen erneute Tariferhöhungen, aber auch Streckenstreichungen übertüncht werden. Offensichtlich halten die Schnackbären in der Werbeabteilung ihre Kundschaft für beknackt.

Auch in den Elbvororten regt sich zusehends Widerspruch. Die Metrobuslinie 15 wird auf einer Teilstrecke eingestellt. Das Dumme daran: Genau hier liegen der Jenischpark als Ausflugsmagnet auch für Senioren, drei Gymnasien und eine Grundschule. Diese wurden vom HVV überfahren. Man wusste von rein gar nichts. Folge: Proteste von Eltern und Schülern, eine Eingabe ans Bezirksamt, Demonstrationspläne, immer mehr Elterntaxis und Luftdreck. Dafür steigen die Tarife für Schülermonatskarten. Herzlichen Glückwunsch. Ältere Menschen, die am ärgsten Betroffenen, können sich nicht wehren. Die fortan fast zehn Minuten längere Fahrt vom Hochrad zum Bahnhof Altona fallen weniger ins Gewicht als ein neuerdings zusätzliches Umsteigen mit Wartezeit.

Fragt sich zum Schluss: Wer verantwortet solche gedankenlosen Maßnahmen? Amateure am Reißbrett? Lottospieler am PC? Erste Klasse geht anders.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.