Glosse

Rendezvous mit Theraphosa

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt

Foto: Michael Zapf

Von ein paar Aktivitäten sollte man tunlichst die Finger lassen. Vegane Burger zu essen oder HSV-Trainer zu werden zum Beispiel. Ein saudisches Konsulat zu betreten oder sich bei Viagogo mit maßlos überteuerten Tickets neppen zu lassen. Oder die behaarten Körper riesiger Vogelspinnen zu streicheln.

Letzteren kann man jetzt nahe kommen – wenn man denn will. Passend zu einem bestimmten Tag Mitte kommender Woche, den in dieser ausufernd gespenstischen Form kein Mensch braucht. Folglich bleibt er an dieser Stelle namenlos. Im Gegensatz zu den zierlichen, ein bisschen gruseligen Gliederfüßern. Diese sind von morgen bis Sonntag im Kaispeicher an der Großen Elbstraße zu bestaunen. Zuvor gastierte diese Ausstellung mit zappeligem Charakter in der Rattenfänger-Halle in Hameln. Das passte wirklich sensationell zusammen.

Zurück zu den unheimlichen Krabblern in Hamburg. Wer die aktuell aushängenden Plakate im Vorbeifahren flüchtig sieht, liest in etwa nur von „größten Vogelspinnen der Welt“, die zum Anfassen sind. Oder so. Das ist ungemein verlockend. Auf also zum Rendezvous mit Riesengespensterschrecken, Geister-Mantis und Texasskorpionen. Gar verführerisch ist speziell ein tête-à-tête mit Theraphosa blondi, der poussierlichen Goliath-Vogelspinne. Dieses zarte, kastanienbraune Geschöpf mit bis zu zwölf Zentimeter großem Körper und maximal 30 Zentimetern Beinchenspannlänge kann es auf 200 Gramm Gewicht bringen. Vor allem ist sie stark behaart. Ein Traum.

Verwunderlich stimmt ein weiterer Tatbestand aus der biologischen Wunderwelt. Während männliche Vogelspinnen ein Alter von drei bis sechs Jahren schaffen können, leben die Weibchen 15 bis 25 Jahre.

Was hat das zu bedeuten?