Glosse

Für immer und ewig St. Pauli

Nichts ist so beständig wie der Wandel, weiß der Volksmund. Wenn man jedoch den Wandel fürchtet wie der HSV die Zweite Liga, muss man alle Hebel in Bewegung setzen, um für immer so zu bleiben wie schon immer.

Am besten wendet man sich als Wandel-Gegner an die Unesco. Die hat schließlich irgendwann einmal das Weltkulturerbe erfunden. Wenn man es also auf die Liste der immateriellen Kultur­erbegüter schafft, bleibt alles, wie es schon immer war. Längst sind in Deutschland die Alpwirtschaftskultur (in Bad Hindelang) und die Amateurmusikpflege (in Baden-Württemberg), der Karneval (Köln) und der Pfingsttanz (in der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra) auf der Schutzliste.

Geht es nach einer Initiative auf St. Pauli, dann wird der bunte Stadtteil am Hafen, in dem der Fischhändler Gottfried Claes Carl Hagenbeck einst sechs Seehunde ausstellte, bevor er sein kleines Tierhandelsgeschäft am Spielbudenplatz eröffnete, bald unverwandelbar. Ein entsprechender Antrag zum Erhalt der Kiez-Kultur werde derzeit vorbereitet, sagte Clubbetreiberin und Quartiersmanagerin Julia Staron im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“.

Reeperbahn und Rotlicht, Fischmarkt und Fußball (2. Liga) sollen also für ewig bleiben. Immer mehr Touristen und Billigbier vom Kiosk jedoch finden keinen Platz mehr unter dem Unesco-Rettungsschirm. Das muss eben nur einmal für alle Zeiten festgeschrieben werden, damit sich auch alle daran halten. So mancher kühne HSV-Anhänger aber sollte sich jetzt fragen, warum er bei der Unesco nie einen Antrag auf ewige Erstliga-Zugehörigkeit, wegen Spielkultur und so, gestellt hat. Nu is zu spät.