Wohnungen

Wo der Quadratmeter in Hamburg 6,37 Euro kostet

Holger Fehrmann und Claus-Dietrich Scholze von der Genossenschaft Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG wollen an der Fabriciusstraße preisewerte Wohnungen errichten

Holger Fehrmann und Claus-Dietrich Scholze von der Genossenschaft Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG wollen an der Fabriciusstraße preisewerte Wohnungen errichten

Foto: Andreas Laible / A.Laible

Genossenschaften veröffentlichen Bestände ihrer Wohnungen. Reaktion auf Aktion „Wem gehört Hamburg?“ von Abendblatt und Correctiv.

Hamburg.  Die Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften veröffentlichen erstmals die Bestände ihrer etwa 130.000 Wohnungen. Darauf haben sich die Vertreter von 30 Genossenschaften als Reaktion auf die Bürgerrecherche „Wem gehört Hamburg?“ verständigt. Anders die Saga: Das kommunale Wohnungsunternehmen will seine Daten nicht veröffentlichen.

Auf der Webseite des Arbeitskreises der Genossenschaften sind die Adressen und Stadtviertel von etwa 130.000 Wohnungen einsehbar, die genossenschaftlich organisiert sind. Nach Aussage der Genossenschaftsvertreter geht die Initiative, eine klare Übersicht zu schaffen, auf die gemeinsame Recherche „Wem gehört Hamburg?“ von Correctiv und Hamburger Abendblatt zurück. „Wir waren uns einig, dass wir unsere Listen gemeinsam veröffentlichen können. Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, den Wohnungsmarkt transparenter zu machen“, sagte Andrea Böhm, die Sprecherin des Arbeitskreises der Genossenschaften.

Genossenschaften gehören mehr als 700.000 Wohnungen

Die Genossenschaften besitzen in Hamburg knapp ein Fünftel der insgesamt mehr als 700.000 Mietwohnungen. Ebenso viele Wohnungen gehören der städtischen Saga. Mehr als 420.000 Wohnungen befinden sich auf dem freien Markt.

Viele einzelne Genossenschaften wie die „Wohnungsbaugenossenschaft von 1904“ veröffentlichten schon vorher auf ihren eigenen Webseiten Informationen über die einzelnen Wohnobjekte. Nach dem Start des Rechercheprojektes „Wem gehört Hamburg?“, das mehr Licht in den Wohnungsmarkt bringen will und deshalb in den vergangenen Wochen viele Daten gesammelt hat, beschlossen die Vorstände der Genossenschaften in einer Sitzung im Januar einstimmig, die Informationen über ihre Wohnungen zusammenzufassen: „Wir zeigen gern, dass wir ein guter Vermieter sind, der 130.000 Wohnungen zu durchschnittlichen Mietpreisen unterhalb des Mietenspiegels anbieten,“ sagte Genossenschaftsvertreterin Böhm. Der durchschnittliche Mietpreis der Wohnungen liegt bei 6,37 Euro und damit deutlich unter dem aktuellen Mietenspiegel in Hamburg – nämlich um rund zwei Euro.

Robert Habeck fordert öffentliches Immobilienregister

Der Mieterverein zu Hamburg begrüßt den Schritt der Genossenschaften. Der Vorsitzende Siegmund Chychla verweist auf andere Länder, in denen Eigentümer am Wohnungsmarkt öffentlich einsehbar sind. „Die skandinavischen Länder sind auch ein gutes Beispiel dafür, dass Transparenz der Grundbücher zum Beispiel nichts mit einer Neiddebatte oder An-den-Pranger-Stellen zu tun hat“, sagt Chychla. Und weiter: „Wir können auch die restlichen Vermieter nur ermuntern, diesem Beispiel zu folgen und mit mehr Transparenz der Geheimniskrämerei oder kruden Verschwörungstheorien zu begegnen.“

In dieser Woche hatte der Vorsitzende der Grünen und Umweltminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, ein öffentliches Immobilienregister gefordert, aus dem hervorgeht, wer der tatsächliche Eigentümer der Immobilien ist. In der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er, dass „die Eigentümer einer Immobilie transparent werden“ müssten. Sie „dürfen sich nicht länger hinter dubiosen Briefkastenfirmen in Steueroasen verstecken“.

Größter privater Eigentümer hält sich bedeckt

Die Genossenschaften sind die erste Eigentümergruppe, die ihren kompletten Bestand in einer Übersicht transparent macht. Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland sieht darin einen wichtigen Beitrag für eine bessere Stadtplanung und fordert die Stadt auf, „die Besitzverhältnisse der Hamburger Immobilien dauerhaft öffentlich zugänglich“ zu machen. „Wenn Planer und Bürger um die Verteilung des Immobilienbesitzes in der Stadt wissen, kann eine informierte Debatte über Stadtplanung stattfinden. Fehlentwicklungen kann man so früh entgegenwirken“, sagt Helena Peltonen-Gassmann, Leiterin der Transparency-Regionalgruppe Hamburg und Schleswig-Holstein.

Die großen privaten Eigentümer geben nur wenige Informationen über ihre Wohnungsbestände bekannt. Correctiv und das Hamburger Abendblatt fragten bei 13 großen Immobilienfirmen nach, ob diese die Lage ihrer Immobilien in Hamburg veröffentlichen. Der mutmaßlich größte private Eigentümer Vonovia gibt lediglich an, dass 11.000 Wohnungen des Unternehmens in verschiedenen Stadtteilen liegen. Auch der skandinavische Immobilienkonzern Akelius (4300 Wohnungen) äußert sich nicht dazu, welche Häuser dem Unternehmen gehören.

Saga will exakte Lage der Bestände nicht veröffentlichen

Es bleibt damit in vielen Fällen verborgen, welche Unternehmen am Immobilienmarkt aktiv sind und die Mietpreise in der Hansestadt mitbestimmen. Weitgehend unbekannt ist zum Beispiel, wie viele Hamburger Mietwohnungen zu Immobilienfonds gehören. Erst kürzlich berichtete das Hamburger Abendblatt über einen Fonds der dänischen Firma Core Property, die 1500 Wohnungen in Hamburg besitzt, aber noch nicht einmal eigene Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt. Mieter hatten sich über den schlechten Zustand einiger Wohnungen des Fonds beschwert. Core Property hingegen weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass sie „versuchen, die Häuser in einem guten Zustand zu erhalten“.

Mit der FEWA-Gruppe kündigte ein anderer großer privater Eigentümer nun an, die eigenen Wohnungen auf einer interaktiven Karte online zu stellen. Die Informationen würden „in etwa vier bis sechs Wochen auf unserer Homepage aktiv sein“, so eine Sprecherin der FEWA-Gruppe gegenüber dem Hamburger Abendblatt. FEWA baut ausschließlich öffentlich geförderte Wohnungen.

Bei der Saga hieß es auf Anfrage, man wolle die exakte Lage der Bestände nicht veröffentlichen. Ein Saga-Sprecher warnt ausdrücklich davor, dass Informationen über die Lage der Wohnungen des Unternehmens den Datenschutz der Mieter gefährden könnte. Die Herausgabe von Adressen mache es möglich, „Personen als Saga-Mieter zu identifizieren“. Die Mieter sollten „selbst darüber entscheiden, ob ihre Daten über diesen Weg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden oder nicht“.