Norderstedt

Wassermassen fluten Kirchenkeller

Foto: Büh, Florian (www.RTVP.de)

Ein fehlerhaft angeschlossener Küchencontainer sorgt für großen Schaden am Schalom-Gemeindehaus.

Norderstedt. und Florian Büh

Eigentlich sollte in der Schalom-Kirche am Lütjenmoor schon längst wieder das Wort Gottes gepredigt und sein Segen vergeben werden. Doch stattdessen ist der Rotklinker-Flachbau seit Jahren eine einzige Baustelle – und seit Montag eine, die offenbar von Gott verlassen wurde.

Zumindest hat es keine höhere Macht verhindert, dass das gesamte Kellergeschoss des Gebäudes am Montagmorgen voller Wasser stand. Die Feuerwehr rückte um 8.30 Uhr an. Da stand das Wasser schon über einen Meter hoch in den insgesamt etwa 300 Quadratmeter großen Räumen. Die hauptamtlichen Feuerwehrleute alarmierten zusätzlich die freiwilligen Kameraden der Garstedter Wehr – die Wassermassen ließen sich nicht mit nur einer Pumpe aus den Kellern absaugen. Björn Sandkamp, der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, war am Montag auf dem Weg zur Arbeit, als er von der Misere erfuhr. Er drehte gleich wieder um und versuchte den ganzen Montag über, Klarheit in die Angelegenheit zu bekommen.

„Man mag ja eigentlich gar nicht sagen, warum es mutmaßlich zu diesem Wasserschaden kam“, sagt Sandkamp. „Das glaubt man fast nicht, so ein Pech ist das.“ Denn der Ursprung für den Wasserschaden vom Montag ist ein Wasserschaden im bereits fertiggestellten Kinderladen-Anbau der Kirchengemeinde im Willy-Brandt-Park. 60 Kinder werden dort seit Ende 2016 betreut.

„In dem Anbau wurde zuletzt ein Wasserschaden entdeckt“, sagt Sandkamp. Offenbar handelt es sich um einen Baumangel, der versteckt lag und sich leider erst recht spät bemerkbar machte. „Auf jeden Fall war der Schaden schon größer geworden.“ Im Anbau mussten erneut die Handwerker ran, und die Küche war nicht mehr benutzbar. Als Ersatz wurde ein Küchencontainer für die Einrichtung bestellt. Und ganz offenbar kam es beim Anschließen des Containers an die Wasserversorgung zu einem Fehler, sagt Sandkamp. „Wir gehen davon aus, dass die Anschlüsse nicht ordnungsgemäß gelegt wurden.“ Und dadurch lief offenbar stetig das Wasser in den Kellerräumen des Schalom-Gebäudes aus – tagelang. „Meiner Information nach, wurde der Container am vergangenen Mittwoch aufgestellt“, sagt Sandkamp. Kein Wunder also, dass das Wasser am Ende über einen Meter Höhe erreichte. Die Schäden, die es anrichtete, sind am Montag noch nicht abzusehen. „Auf jeden Fall ist die Elektrik wohl massiv betroffen“, sagt Sandkamp. Ebenso waren wohl noch Teile des Kirchenarchives in den Räumen, die beschädigt wurden. „Doch glücklicherweise wurden die meisten Sachen schon ausgelagert.“

Zur Geduldsprobe wird der Zwischenfall jetzt für die Eltern und Kinder des Schalom-Kinderladens. „Die haben ja ohnehin schon sehr unter der langwierigen Bauphase gelitten und das mit viel Geduld ertragen – und nun kommt das noch dazu“, sagt Sandkamp. Am Montag mussten die Eltern ihre Kinder gleich nach dem Einsatz der Feuerwehr abholen. Und auch am Dienstag bleibt der Kinderladen zunächst geschlossen. Der Strom ist abgeschaltet, ein Betrieb unmöglich.

Das gilt auch nach wie vor für den gesamten Schalom-Bau. Denn die Grundsanierung des 44 Jahre alten Gemeindehauses aus den 70er-Jahren kommt nicht von der Stelle und hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Zum einen offenbarte das Gebäude nach der Entkernung einige unvorhergesehene Probleme, etwa in der Statik. Dazu kam, dass die Gemeinde große Probleme hatte, überhaupt Handwerker für die erforderlichen Arbeiten am Gebäude zu finden. Ursprünglich sollten die Baukosten die Summe von 2,9 Millionen Euro nicht übersteigen. Mittlerweile sind es über vier Millionen Euro.

„Wir haben die gesamte Planung der Baustelle an den Kirchenkreis abgegeben. Das übersteigt die Kapazitäten eines ehrenamtlichen Kirchengemeinderates erheblich“, sagt Sandkamp. Bleibt zu hoffen, dass es Gott ab sofort gut meint mit der „Roten Kapelle“ und der Gemeinde, die für ihre alternative Gesinnung bekannt ist. „Wir machen schon Scherze“, sagt Sandkamp. „Vielleicht nimmt er es uns übel, dass wir keine Kreuze aufhängen.“

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