Kommentar

Fragwürdiger Holsten-Deal in Altona

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Axel Tiedemann

Warum das Wohnen in der Stadt immer teurer wird, dürfte viele Ursachen haben: Hohe Anforderungen an den Klimaschutz treiben die Preise, heißt es oft. Handwerker sind zu teuer und Kredite zu günstig, sagen andere. Einer der wirkmächtigsten Faktoren aber, dass Mieten und auch Preise für Wohneigentum in begehrten Lagen nahezu obszöne Ausmaße annehmen, dürfte der Bodenpreis sein, der ständig steigt in den Städten. Ein Beispiel dafür, warum das so ist und wie man es eigentlich anders machen könnte, ist das Holsten-Areal in Altona.

Hier haben sich Investor und Bezirkspolitik im Streit um Baumassen ziemlich verhakt. Am Ende wird aber gebaut werden, das ist sicher. Genauso sicher scheint zu sein, dass mit Ausnahme der Pflichtsozialwohnungen nicht gerade günstiger Wohnraum entsteht.

Wir erinnern uns: Seit mehr als 100 Jahren produziert Holsten dort Bier. Vor einigen Jahren sinnierte die Brauerei laut, ob eine Verlagerung in eine neue, moderne Fabrik nicht besser wäre. Der Senat wollte die Arbeitsplätze in der Stadt halten und versprach, aus dem günstigen Gewerbeland lukratives Bauland zu machen. Wenn denn Holsten weiter in der Stadt bleibe.

Mit dieser Vereinbarung aber war die Falle zugeschnappt, der Preispoker begann. Eine interessierte Wohnungsbaugenossenschaft konnte nicht mithalten, und auch andere Hamburger Immobilienunternehmen waren bald aus dem Rennen. Den Zuschlag bekam ein Düsseldorfer Projektentwickler, der bundesweit in Immobiliendingen auf großer Einkaufstour war. Nach einigen blumigen Worten zur Zukunft des Areals gehört das jetzt dem nächsten Unternehmen. Man muss kein Experte sein, um zu ahnen, dass hier wohl ein teurer Einkauf noch einmal teurer wurde.

Es hätte aber auch anders laufen können. Hamburg hätte sich einfach ein Vorkaufsrecht sichern können, weil die Stadt es selbst in der Hand hat, ob dort Bauland ausgewiesen wird oder nicht. Holsten hätte dann nicht den höchsten, aber einen anständigen Preis bekommen. Und dann hätte man das begehrte Land an Baugemeinschaften, Genossenschaften oder die stadteigene Saga vergeben können und bekäme damit den günstigen Wohnraum, den alle fordern.

Hier scheint es aber so zu sein, dass Hamburg sich den Erhalt von Arbeitsplätzen innerhalb der Stadtgrenzen mit teuren Wohnungen erkaufen musste.

Ein zweifelhafter Deal.

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