Glosse

Sperrstunde in der HafenCity

Neulich in einem mondänen Restaurant gleich gegenüber von Hamburgs wichtigster Baustelle. Es ist 23.15 Uhr. Ein Herr, Aktentasche, schmal geschnittener Sommermantel, fragt nach einem Absacker. Leider nein, wird ihm beschieden, man schließe gleich. Der Herr – er kommt aus Berlin – tritt vor Erstaunen einen Schritt zurück und sagt: „Ist das vielleicht ein kleines bisschen provinziell?“ Da müsse der Herr die Restaurantleitung fragen, erwidert der junge Servicebedienstete.

Ob der Absacker vielleicht an der Bar zu bekommen sei?, fragt der Herr. Der junge Servicebedienstete bedauert, während im Hintergrund jemand entschlossen Stühle herumschiebt, was der ohnehin frostigen Atmosphäre einen Hauch von Sperrstunde verleiht. „Aber fragen Sie doch mal nebenan in unserem Bistro. Vielleicht ist da noch jemand.“ Der Herr hat verstanden. Eine letzte Frage hat er noch: „Was machen Sie denn, wenn das Konzerthaus da drüben aufmacht?“ – „Dann“, erwidert der junge Servicebedienstete und streicht sich über die gestärkte Hemdbrust, „wird die Geschäftsleitung eine Konzeptänderung vornehmen.“

Das Bistro nebenan liegt in tiefem, dunklem Schweigen. Es sind ja noch ein paar Monate bis zur Konzeptänderung.