Glosse

Die Parkplatz-Jagd am Supermarkt

Andreas Hardt

Andreas Hardt

Foto: Klaus Bodig

Es ist Zeit für den Großeinkauf. Wasserkisten, Brot, Tiefkühlpizza, gerade im Angebot. Aufschnitt, Radieschen und ein Sack Kartoffeln Und die Pfandflaschen müssen zurück. Also Supermarkt, statt Onkel Ahmed oder Tante Erna. Also Auto, statt zu Fuß oder Fahrrad. Also Stress.

Der Supermarkt-Parkplatz ist groß, aber beileibe nicht groß genug. Das halbe Viertel ist da und sucht einen Platz, um das Auto abzustellen, darunter die unterschiedlichsten Typen.


Der Warter:
Kein Platz? Egal! Der Warter stellt sich mit seinem Kombi in aller Seelenruhe mitten auf den Fahrweg und wartet. Irgendwann wird ein Platz frei werden. Wenn auch nur jemand beginnt seinen Kofferraum zu beladen, setzt der Warter seinen Blinker. Gleich hat er ihn, den Platz. Die Schlange hinter ihm ist ihm egal.


Die SUV-Mutter:
Kommt nur in bestimmten Stadtteilen vor, dort aber gehäuft. Eigentlich ist ihr dieser Wagen viel zu groß, sie wollte den auch gar nicht. Aber sie soll damit in der Woche Chiara-Louise vom Tennis abholen und dann zum Ballett bringen. Und Marcel braucht den Kofferraum für seine Golfausrüstung. Jetzt schleicht sie damit über den Parkplatz, langsam, vorsichtig, nur nirgends anstoßen. Nein, hier geht’s nicht, zu eng, noch eine Runde.


Der Cruiser:
Ist das Gegenstück zum Warter. Fährt energisch und zügig mit seinem Kompaktwagen auf den Parkplatz, links rein, nichts da, vorbei, rechts rein, noch eine Runde. Und noch eine. Hupt den Warter an und die SUV-Mutti auch. Geht’s nicht schneller?


Der Drängler:
Kennt nur sich. Motorisiertes Durchsetzungsvermögen. Vorwärts, direkt aufs Ziel zu. Da ist was frei. Rein da. Der Kleinwagen, der schon länger wartete, hat Pech gehabt. Wie sagte Gorbatschow noch? Eben!


Der Senior:
Der ärmste Mensch in der Parkplatzschlacht. Er muss zum Einkaufen fahren, die Beine wollen halt nicht mehr so. Alles geht so schnell, ist so voll, so laut. Und dann all diese großen und schnellen Wagen. Dieses Gedränge, Ach, früher ...


Der Fußgänger:
Es gibt ihn. Er hat gar keine Lust auf den Parkplatzstress und wohnt in der Nähe. Aber er lebt gefährlich. Mit ihm rechnet nämlich niemand, da schlägt schnell mal die Fahrertür auf, da setzt einer zurück, ein Cruiser brettert heran. Nächste Woche kommt auch er mit dem Auto.