Sicherungsverwahrung

Polizei sucht in Hamburg nach entflohenem Gewaltverbrecher

Der 58-jährige Sicherungsverwahrte war bei einem Ausgang in Köln entkommen. Hamburger Polizei setzte Hubschrauber in Barmbek ein.

Hamburg.  Zwei Tage nach seiner Flucht hält der verurteilte Straftäter Peter Breidenbach die Polizei und Justiz weiter in Atem. Der Gewalt- und Sexualverbrecher, der als gefährlich eingestuft wird, war am Mittwoch bei einem begleiteten Ausgang in einem Kölner Brauhaus entkommen. Am Freitag hatte es in Hamburg einen Einsatz auf der Suche nach dem 58-Jährigen gegeben. Das bestätigte eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Weitere Details wollte sie wegen der laufenden Suche nicht nennen.

„Wir fahnden weiter mit Hochdruck“, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts will ihn ein Zeuge in Hamburg-Barmbek gesehen haben. Die Polizei durchsuchte am Freitagmittag die Straßenzüge um den Bahnhof Barmbek, auch der Polizei-Hubschrauber "Libelle" war im Einsatz. Die Suche blieb ohne Ergebnis. Auch eine Suchaktion in Bonn war nach einigen Stunden abgebrochen worden. Ein Jogger hatte angegeben, den Mann dort in einem Park erkannt zu haben.

JVA stellte Strafanzeige gegen Beamte

Die Flucht des verurteilten Vergewaltigers sorgt inzwischen deutschlandweit für Schlagzeilen. Er war offenbar bei einem Toilettengang während eines Ausgangs entkommen. Dieser steht dem Mann, der als Sicherungsverwahrter in der Justizvollzugsanstalt Aachen einsitzt, gesetzlich zu. Allerdings gibt es Unklarheiten über die genauen Umstände. Die JVA hat inzwischen Strafanzeige gegen die beiden Justizvollzugsbeamten gestellt, denen Breidenbach entkommen war.

Die Strafanzeige gegen die beiden Beamten basiere auf dem Verdacht, dass sie ihren Dienstpflichten nicht hinreichend nachgekommen seien, sagte ein Sprecher des NRW-Justizministeriums. Es gehe dabei auch darum, zu prüfen, ob möglicherweise der Straftatbestand der Gefangenenbefreiung erfüllt sei. „Letzten Endes muss es auch zum Schutz der Bediensteten aufgeklärt werden“, sagte die Leiterin der JVA, Reina Blikslager. Sie halte dieses Vorgehen daher für ihre Pflicht.

War der Häftling ohne Bewachung auf dem WC

Zuvor hatten WDR, „Bild“ und „Express“ von Augenzeugen berichtet, die die Flucht des verurteilten Vergewaltigers anders beschrieben als von den beiden Aufpassern geschildert. Demnach soll der 58-Jährige in dem Kölner Brauhaus ohne Begleitung auf die Toilette gegangen sein. Die JVA hatte bislang mit Verweis auf die Aussagen ihrer Mitarbeiter mitgeteilt, einer der beiden sei mit dem Mann auf die Toilette gegangen. Dort habe er ihn aufgrund einer Unaufmerksamkeit aus den Augen verloren.

Sicherungsverwahrung seit 14 Jahren

Der 58-jährige Peter Breidenbach hatte in den 80er Jahren mehrere Frauen brutal vergewaltigt und Raubüberfälle begangen. Deswegen hatte er neun Jahre in Haft gesessen. Seit 14 Jahren befindet er sich in Sicherungsverwahrung. Viermal pro Jahr hat er das Recht auf Ausgänge in Begleitung von Wachpersonal. In den vergangenen Jahren hatte sich Breidenbach laut Justizministerium bei acht Ausgängen unauffällig verhalten.