Radrennen

Kein Hauptsponsor mehr: Was wird aus den Cyclassics?

Schon olympiareif: Die Cyclassics vor Hamburger Kulisse

Schon olympiareif: Die Cyclassics vor Hamburger Kulisse

Foto: WITTERS/Witters Sport Presse Fotos

Die Cyclassics rollen letztmals im Namen von Vattenfall durch die Stadt. Ein Drittel zum Gesamtbudget steuerte der Energieversorger bei.

Hamburg.  Eine Ära im Hamburger Sport geht am Sonntag zu Ende: Bei der 20. Auflage rollen die Cyclassics letztmals im Namen von Vattenfall durch die Stadt. Der Energieversorger war 1996 maßgeblich an der Gründung des inzwischen größten Radrennens Europas beteiligt, damals noch unter dem Namen HEW. Mit dem Jubiläum endet das in seiner Dauer beispiellose Engagement, das allein mit schätzungsweise 800.000 Euro rund ein Drittel zum Gesamtbudget beisteuerte.

„Wir werden das Interesse an dieser wunderbaren Veranstaltung nicht verlieren und weiterhin mit unserem Firmenteam teilnehmen“, sagte Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter der Vattenfall GmbH in Hamburg, „aber für uns ist nach zwei Jahrzehnten der Zeitpunkt gekommen, auch einmal andere Projekte zu fördern.“

Der Verlust des Titelsponsors bedeutet für die Cyclassics einen herben Rückschlag. Ein Engagement vergleichbarer Größenordnung ist, so Branchenkenner, derzeit am Markt nicht zu erzielen. Laut Veranstaltungsleiter Kai Rapp von der Agentur Lagardère Unlimited Events steht die Zukunft des Rennens aber nicht auf dem Spiel: „Wir sind mit potenziellen Partnern im Gespräch und werden von kommender Woche an in konkrete Verhandlungen gehen.“ Vorstellbar ist, dass die Namensrechte nicht neu verkauft werden und stattdessen ein sogenannter Presenting Sponsor angeworben wird.

Vattenfall hatte den Cyclassics auch während der Dopingkrise die Treue gehalten. Inzwischen scheint bei der Glaubwürdigkeit des Radsports die Talsohle durchschritten. So zeigt die ARD erstmals seit 2008 wieder Live­bilder des einzigen deutschen World-Tour-Rennens. „Wir empfinden das als Belohnung dafür, dass wir uns gut positioniert haben“, sagte Rapp.

Erstmals starten die Profis am Sonntag in Kiel aus dem Bauch einer Fähre heraus. Die Streckenkurse für die 22.000 Jedermänner und -frauen bleiben weitgehend unverändert. Etwa 500 Startplätze sind noch verfügbar. Bereits am Sonnabend rollen 144 Nachwuchsfahrer bei den Youngclassics sowie 120 Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung bei den Special­classics um die Binnenalster.

Für 2016 ist eine Erweiterung des Starterfelds geplant. So soll ein Kurzstreckenrennen für Gelegenheitsradler ins Programm genommen werden.

Großer Bericht mit Streckenkarte

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