Mission

Gemüsezucht: Ein kleiner Bissen für den Menschen ...

Egbert Niessler

Egbert Niessler

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

... aber ein großer Happen für die Menschheit: Für Langzeitmissionen will die Nasa die Gemüsezucht in der Schwerelosigkeit vorantreiben.

Was unterscheidet einen neuzeitlichen Astronauten von einem alten Seefahrer? Praktisch nichts. Beide sind weit weg von daheim, entweder auf den unendlichen Weiten der Ozeane oder im noch viel unendlicheren All. Beide tragen spezielle Berufsbekleidung – und beide haben mit Ernährungsproblemen zu kämpfen.

Die Matrosen mussten sich mit fauligem Wasser, Gammelfleisch und dürrem Zwieback über Wasser halten, dem zwecks Proteinzufuhr reichlich Maden beigegeben waren. Was lange fehlte, waren Vitamine, sodass sie Skorbut bekamen und ihnen die Zähne reihenweise ausfielen. Erst der große britische Entdecker James Cook fand Abhilfe und reicherte die Bordküche mit Sauerkraut an.

Die Raumfahrer wiederum – ob nun amerikanische Astronauten oder sowjetische Kosmonauten – waren bisher auf allerlei Ersatznahrung aus Tuben und Tüten angewiesen. Dies ist zwar gesünder als die alte Matrosendiät, aber kulinarisch und ökotrophologisch gesehen auch nicht der Hit. Doch für sie ist jetzt Abhilfe gefunden. Erstmals hat die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS dort selbstangebauten Salat gegessen. „Schmeckt gut, ein wenig wie Rucola“, befand der US-Astronaut Scott Kelly. Er hatte den roten Römersalat am 8. Juli gesät – nun war Erntezeit. Ein Dressing mit Balsamico-Essig und Olivenöl aus der Tube darüber – fertig ist das spacige Grünzeug. „Ein kleiner Bissen für einen Menschen, aber ein großer Sprung für unseren Flug zum Mars“, kommentierte Kelly in einer Anspielung auf das berühmte Zitat des ersten Menschen auf dem Mond, Neil Armstrong. Vor allem für künftige Langzeitmissionen soll das Veggie-Programm eine wichtige Nahrungsquelle sein. Zudem könne der Anbau von Gemüse im All als Erholung für die Raumfahrer dienen.

Sternanis, Sonnenblumen und Himmelsschlüssel könnten das Pflanzprogramm noch bereichern. Und vielleicht auch ein paar Erdäpfel – falls sich auf dem langen Weg zum Mars und wieder zurück so etwas wie Heimweh einstellen sollte.