Helden des Nordens

Barbara Kirchhainer: Die Flüchtlingshelferin aus Sanitz

Die 65-Jährige kümmert sich um Menschen in Not. Auch nach einem Anschlag, der fast zur Katastrophe wurde. Unbekannte hatten zwei Molotowcocktails gegen die Fassade einer Flüchtlingsunterkunft geworfen.

Sanitz. Barbara Kirchhainer kann nichts erschüttern. Eigentlich. Die 65-Jährige engagiert sich seit Jahren in der Kommunalpolitik, hält Vorträge bei Seniorenveranstaltungen und sammelt Kleidung und Lebensmittel für Hilfstransporte. Und sie hilft Flüchtlingen – auch, als es am 11. Oktober 2014 fast zur Katastrophe kommt: Unbekannte werfen zwei Molotowcocktails gegen die Fassade der Flüchtlingsunterkunft in Groß Lüsewitz, einem etwa drei Kilometer von Kirchhainers Wohnort Sanitz entfernten Dorf im Landkreis Rostock. Ein feiger Anschlag – „ein Anschlag auf das Leben der Flüchtlinge“, sagt Barbara Kirchhainer.

Als einer der Bewohner sie nach dem Angriff anruft, fährt sie los und trifft noch vor der Polizei am Haus ein, um die Menschen zu beruhigen. Die Brandsätze haben ein Fenster nur knapp verfehlt, die Flammen dunkle Flecken hinterlassen. Der oder die Täter sind bis heute nicht gefasst.

Begonnen hatte das Engagement der 65-Jährigen für die Flüchtlinge etwa ein Jahr zuvor. Groß Lüsewitz sollte damals Asylbewerber aufnehmen. Bei einer Einwohnerversammlung sagte Barbara Kirchhainer, man solle doch die Menschen willkommen heißen – Menschen, die ihre Heimat in Not verlassen und mit ihren Kindern in eine ungewisse Zukunft fliehen mussten. Da rief jemand: „Die kannst du alle mit zu dir nach Hause nehmen!“

Hier gibt es alle Informationen zu der Abstimmung

Barbara Kirchhainer ließ sich nicht beirren. Die schroffe Abfuhr spornte sie an. Auf Versammlungen in der Region versucht sie seither, den Menschen die Ängste vor dem vermeintlich Fremden zu nehmen, und wirbt um Verständnis für Flüchtlinge: „Erinnert ihr euch an 1945?“, fragt sie dann in die Runde. „Erinnert ihr euch daran, wie ihr selbst fliehen, eure Heimat verlassen musstet?“ Viele ältere Menschen nicken.

Inzwischen hat sich ein Netzwerk gebildet: Kirchenmitglieder und andere Ehrenamtler sammeln Spenden, zum Beispiel Handtücher oder Bettwäsche. Oder Schulsachen für die Kinder. Aber das Materielle ist nur das eine. „Ohne die deutsche Sprache kommt ihr nicht weit“, erklärt die Mecklenburgerin den Flüchtlingen aus Armenien, Eritrea, Afghanistan, Albanien oder Tschetschenien.

Barbara Kirchhainer im Interview

Neun Familien leben in der Groß Lüsewitzer Unterkunft. Zweimal pro Woche bringen ihnen Barbara Kirchhainer und ihr Mitstreiter Gerd Gurol Deutsch bei. Es sind Rechtsanwälte und Krankenpflegerinnen, Christen und Muslime, die bei ihr das Abc lernen oder wie man im Supermarkt einkauft.

Mit den Sanitzer Schulen gibt es die Absprache, dass die Kinder bereits zwei Wochen nach ihrer Ankunft die Schulbank drücken dürfen. Die Kleinen lernen wahnsinnig schnell, sagt die studierte Hochschullehrerin. Und: „Die Menschen können wunderbar integriert werden – wenn wir sie lassen.“

Die Abstimmung beginnt am Sonnabend, 13. Dezember, um 6 Uhr. Die Nummer für die telefonische Teilnahme lautet 0137/5951050. Der Anruf kostet 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz. Mobilfunkpreise können abweichen. Wenn Sie per Post abstimmen möchten, schreiben Sie bitte an NDR, Helden des Nordens, 20140 Hamburg.

Teilnahmeschluss ist der 17. Dezember, 12 Uhr. Die Gewinne können bis Ende 2015 bei „Gebeco Länder erleben“ eingelöst werden. Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich. Mitarbeiter der beteiligten Medien dürfen an der Verlosung nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ebenfalls ausgeschlossen.