Zwischenruf

Kuriert von der Schnäppchenjagd

Eine Glosse von Alexander Schuller

Mein guter Bekannter Paul, Sie wissen schon, genießt in unserer Runde den Ruf, mit zugetackerten Taschen durchs Leben zu gehen. Selbst wenn er ordentlich geladen hat, steht auf seinem Zettel niemals eine Runde. Aber als empathischer „Hammer Rat der Weisen“ sehen wir ihm dies nach. Er ist schließlich ein netter Kerl, allerdings chronisch pleite, und das liegt unserer Meinung daran, dass Paul ein Sparfuchs ist: Wenn ein Schnäppchen feilgeboten wird, ist er zur Stelle.

Neulich fuhr er bis nach Ahrensburg, weil dort Speisefrühkartoffeln günstig angeboten wurden. Leider kam er zu spät. Doch weil er nun schon mal da war, bummelte er so lange über den Wochenmarkt, bis in seinem Portemonnaie Ebbe herrschte. Geradezu legendär war auch sein Versuch, einen Laptop mit Terabyte-Festplatte und 16 MB Arbeitsspeicher zu erstehen, das ein großes Elektronikkaufhaus für 299 Euro anbot – aber nur am Montag! Paul schwört Stein und Bein, dass er der Erste im Geschäft gewesen sei. Aber der Laptop war ausverkauft. Doch wo er nun mal schon da war...

50 Prozent Rabatt auf alles bringen seine Augen zum Leuchten: Paul brauchte einen neuen Küchentisch, aber Tische waren im Möbelhaus von der Sonderaktion ausgenommen. Also kaufte er ein Bett, das er gar nicht brauchte. Wo er schon mal da war.

An jenem Abend haben wir ihm dann hoffentlich zum letzten Mal erklärt, dass Super-Schnäppchen immer einen Haken haben. Und wenn es das Kleingedruckte ist. Ehrlich sei dagegen eine Runde Bier, die Paul zu unserer großen Überraschung springen ließ. Mit Tränen in den Augen.

Wo er nun schon mal da war.