Zwischenruf

Schnäppchenjagd im Internet

Eine Glosse von Alexander Schuller

„Ein Schweißfuß kommt nie allein“, pflegte Großvater zu sagen, und mein guter Bekannter Paul – Sie wissen schon – hat diese Lebensphilosophie wahrlich verinnerlicht. Neulich zum Beispiel fegte er mit seinem ausgeleierten Bademantelärmel innerhalb von fünf Minuten seine beiden gläsernen Kaffeebereiter (mit einem Fassungsvermögen von einem bzw. 0,375 Liter) vom Küchentresen.

Zum Glück, so Paul, habe er jedoch sofort eine Online-Plattform entdeckt, die seine beiden Kaffeebereiter zu sensationellen Preisen anböte. Er bestellte und zahlte per Kreditkarte nur 50 Prozent des vom Hersteller empfohlenen Kaufpreises (der etwa in den Kaufhäusern für diese Kaffeebereiter verlangt wird), und freute sich über die Schnäppchen.

Das tat er etwa vier Wochen lang. Denn leider war der kleine Kaffeebereiter anfangs nicht auf Lager gewesen, dann war der große ausverkauft gewesen, als der kleine erneut angeboten worden war. Als Paul und ein Mitarbeiter des Portals sich nach rund 20 groben E-Mails auf den sofortigen Versand des kleinen „geeinigt“ hatten, waren dann beide ausverkauft, und der Hersteller meldete einen plötzlichen Produktionsengpass. Der Preis für die Kaffeebereiter indes war im Netz um das Doppelte gestiegen. Paul verlangte jetzt sein Geld zurück. Der Mitarbeiter der Service-Hotline verwies ihn höflich an die Regulierungsabteilung, die sich zeitnah bei ihm melden würde. Das ist nun auch schon wieder drei Wochen her. Was soll ich sagen? Paul trinkt jetzt Tee und wartet ab.