Menschlich gesehen

Der Orgelbauer

„Alles, bloß nicht Orgelbau“ habe ihn interessiert, als er 14 bis 19 Jahre jung war, erzählt Philipp Klais, 46, und kann dabei nicht ernst bleiben. Denn erst gestern war der gebürtige Bonner wieder mal unterwegs, mit Kunden unterwegs in Mecklenburg-Vorpommern. Alte, kleine Orgeln begutachten. Neue, große Orgeln sind seit etlichen Jahren ein wichtiger Teil von Klais’ Beruf. Obwohl: Berufung ist das angemessenere Wort. Kein Wunder eigentlich, dass das Familienunternehmen Klais den Zuschlag erhielt, eine Orgel für die Hamburger Elbphilharmonie zu bauen.

„Ich bin in der Werkstatt groß geworden“, sagt Klais. Und das mit der kategorischen Orgel-Abneigung? Das gab sich, als Klais junior von Klais senior aus Bonn nach Australien geschickt wurde, um in Brisbane bei der Einrichtung einer neuen Orgel dabei zu sein. Ein Jahr Down Under war der Bonus, aber die Faszination für diese Feinmechanik im riesigen Ausmaß war einfach zu groß. Ein Jugendtraum, Journalist zu werden, verflüchtigte sich, auch das Kunstgeschichtsstudium blieb ein kleines Unter-Kapitel im Lebenslauf.

Seit 1995 ist Philipp Klais selbst der Chef der Firma, die global gefragt ist; einen langen Weg zu seiner Arbeit hat er allerdings nicht. Die Familie Klais, Frau, vier Kinder, wohnt direkt neben der Werkstatt. Und als Ausgleich zu den vielen Stunden in dunklen, kühlen Kirchen entspannt Klais gern open air, besonders gern beim Skifahren.