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Die Bundesliga ist zurück – endlich wieder Normalität

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Johannes Kramer
Johannes Kramer ist Volontär beim Hamburger Abendblatt.

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Foto: Roland Magunia / Funke Foto Services

Nach der obskuren Weltmeisterschaft in Katar bietet der Ligabetrieb den Fußballfans Halt. Trotz vieler Nebengeräusche.

Es sind bekanntlich die kleinen Freuden des Alltags, die das Leben schöner machen. Für Fußballfans bedeutet ein gewöhnliches Bundesliga-Wochenende eine ganze Reizüberflutung an kurzen Glücksmomenten. Für mich sind das etwa der Beginn der 15.30-Uhr-Konferenz, der Blick auf die Blitztabelle in einer torreichen Schlussphase oder das Gefühl, wenn der Stürmer, den man in der Manager-App günstig gekauft hat, einen Treffer erzielt.

Bundesliga-Vorfreude steigt nach obskurer Weltmeisterschaft

Nach der obskuren Weltmeisterschaft in Katar ist die Vorfreude auf den Jahresauftakt um ein Vielfaches größer als sonst – zumindest geht es mir so. Wenn an diesem Freitag RB Leipzig den FC Bayern München (20.30 Uhr/DAZN und Sat.1) empfängt, sind neun Wochen quälender Winterpause Vergangenheit. Die WM in Katar lieferte mitunter zwar spektakuläre Spiele, konnte dem Fan aber nicht ansatzweise bieten, was das Produkt Bundesliga vermittelt: Halt und Normalität.

Das Nutzerverhalten der Fans mag sich verändert haben. Statt der traditionellen Sportschau am Sonnabend genügen oftmals auch die Highlight-Clips im Internet, um den Spieltag Revue passieren zu lassen. Die Bundesliga ist aber noch immer das Lagerfeuer für Fußballliebhaber. Sonnabend 15.30 Uhr gilt als heilige Zeit, die Stadien sind voll, und die Ergebnisse vom vergangenen Spieltag sind montags das Gesprächsthema am Arbeitsplatz oder in der Schule. Klar ist: Ohne die Bundesliga fehlt etwas.

Halt und Normalität verkörpert die Führungsetage der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zurzeit allerdings kaum. DFL-Chefin Donata Hopfen legte zum Januar nach nur einem Jahr ihr Amt nieder. Angeblich wurde bemängelt, dass ihr eine klare Vision gefehlt habe. Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt und Oliver Leki vom SC Freiburg führen das Gremium nun interimsweise für sechs Monate. Dem geneigten Fan dürften die Querelen in der DFL-Spitze egal sein, solange am Wochenende die Sky-Konferenz läuft; obwohl für das volle Fußballvergnügen auch noch ein DAZN-Abo vonnöten ist.

Bundesliga ist auch ohne Investoren konkurrenzfähig

Beim Stichwort „Visionen“ wird allerdings auch der so genügsame Fan unbequem. Nach der Einführung von Montagsspielen in der Ersten Liga im Jahr 2017 etwa gingen die Anhänger auf die Barrikaden. Die DFL schaffte die verhassten Partien zur Saison 2021/22 wieder ab. Ähnlich ist die Lage beim Thema Investoren. Beim Neujahrsempfang der DFL am Dienstag hieß es, das Produkt Bundesliga müsse gestärkt werden. Dabei könnten auch Partner, also Investoren, helfen. In Deutschland ist das – im Gegensatz zu anderen Ländern – durch die 50+1-Regel eingeschränkt. Eine Garantie für Erfolg verspricht das Engagement einzelner Großaktionäre sowieso nicht.

Am besten stehen nach wie vor die Clubs da, die ihre Mittel am geschicktesten einsetzen. Auf Europas Fußballbühne ist die Bundesliga in dieser Saison auch ohne Investoren sehr gut vertreten. In der Champions League stehen mit Bayern, Dortmund, Leipzig und Frankfurt vier deutsche Mannschaften im Achtelfinale, so viele wie aus keiner anderen Liga. Wie wettbewerbsfähig die Bundesligisten tatsächlich sind, werden die Begegnungen gegen die Schwergewichte Paris Saint-Germain, Chelsea, Manchester City und Neapel im Februar zeigen.

Gerade die Geschichte von Eintracht Frankfurt, das nach dem historischen Europa-League-Titel erstmals an der Königsklasse teilnimmt, ist eine für das Märchenbuch. Getragen wird die Eintracht dabei von ihren sensationellen Fans. Nach den Interessen der Anhänger wird sich auch die DFL richten müssen, wenn sie über ihre Visionen für die Zukunft nachdenkt.

Trotz Bayern-Dominanz wird Spannung in der Bundesliga geboten

Wer die Bundesliga neutral verfolgt, mag mit Sicherheit die fehlende Spannung im Titelrennen monieren. Zum Glück gibt es abseits der Bayern-Dominanz genug Unterhaltungsfaktoren. In unserer Redaktion habe ich vollmundig angekündigt, dass Kölns neuer Stürmer Davie Selke in dieser Spielzeit noch auf zehn Saisontore kommt. Eine steile These, die ich aber zu verteidigen versuche. Falls Selke in der verbleibenden Saison das Toreschießen wiedererlernt, würde mir das jedenfalls einige Punkte in der Manager-App bescheren – und damit auch den einen oder anderen Glücksmoment.

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