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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über die WM in Katar.

Christoph Schwennicke und Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend hier veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, ich weiß nicht, wie es dir erging, aber ich fand, dass das 1:2 der deutschen Fußballer gegen Japan bei der WM in Katar etwas Symptomatisches hatte. Wir haben uns darauf konzentriert, Punkte in moralischen Fragen zu machen, aber nicht auf dem Platz.

Schwennicke: Soll ich dir etwas verraten? Ich habe mir das Spiel gar nicht angeschaut. Ich bin ohnehin ein Fußballfremdler. Und dieses WM-Turnier ist von vornherein dazu bestimmt, eine Farce zu sein. Aber hilf mir, unabhängig davon, wie absurd es ist, in einem Land wie Katar Fußball zu spielen: Ist Deutschland nicht schon länger als viermaliger Weltmeister nur noch Mittelmaß?

Haider: Ja, und ich frage mich, ob das im Fußball und anderen Bereichen daran liegen könnte, dass wir lieber über andere urteilen, anstatt zu zeigen, dass wir es besser machen können.

Schwennicke: Das ist leider ein Muster, das über den Fußball hinausweist. Moralweltmeister. Alles besser wissen, aber nicht mehr alles besser können. Schwierig.

Haider: Woher kommt das?

Schwennicke: Es ist schwer, eine selbstgefällige, verwöhnte Gesellschaft wieder flottzukriegen. So grauenhaft der Anlass auch ist: Diese Kriegszeiten könnten ein Anlass sein, sich wieder auf die Tugenden zu besinnen, für die dieses Land einmal weltberühmt war. Fleiß und Ehrgeiz – im Wissen darum, dass die Zeiten härter geworden sind. Und dass Wellness gestern war.

Haider: Wobei allein die Erkenntnis, dass der Wohlstand, so wie wir ihn kennen, nicht mehr zu halten sein wird, eine schwierige ist.

Schwennicke: Aber es ist nun einmal die Realität.

( HA )

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