Meinung
Glosse

Der König der Schwäne

Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

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Foto: Klaus Bodig

Charles III. besitzt jedes zweite Tier, das in seinem Reich umherschwimmt. Aber warum bloß? Appetit?

Hamburg. „His Majesty’s Royal Swan Marker“ – das ist doch mal ein Titel. Der Schwäne-Markierer Seiner Majestät. Und dann noch diese Uniform: rotes Jackett mit goldenen Verzierungen, dazu weißes Hemd, weiße Hose und eine dunkelblaue Krawatte mit Schwänen und Kronen. Mein lieber Schwan! Da kann Hamburgs „Schwanenvater“ Olaf Nies nur vor Neid erblassen.

Nein, in Sachen Pomp und Tradition sind die Engländer schon ein ganz besonderes Volk. Und auch wenn die Hamburger gerne auf ihre britischen Traditionen verweisen, im Schwanenwesen sieht man die Unterschiede zwischen Monarchie und Republik – Prunkuniform und Arbeitsklamotte.

Charles III. hat auch die Hälfte der Schwäne im Königreich geerbt

König Charles III. hat von seiner verschiedenen Mutter eben nicht nur rund 67 Millionen menschliche Untertanen im Vereinigten Königreich geerbt, sondern auch die Hälfte der Schwäne, die auf den Gewässern des Königreiches leben. Die andere Hälfte teilen sich die Gilden der Tuchhändler und der Weinhändler. 1482 wurde dies per Gesetz so festgelegt.

Schwäne galten in Mittelalter und der Frühen Neuzeit schließlich als ein Genuss. Es wird berichtet, dass Charles’ Vorgänger Heinrich III. 1251 für sein Weihnachtsbankett 125 Schwäne benötigte. Natürlich hat die englische Krone deshalb darauf geachtet, dass nicht der gemeine Mann sich einfach so einen Schwan aus dem Wasser zieht.

Im Jahr 1664 erließ Hamburgs Senat seine Schutzverordnung für die edlen Vögel, die seitdem gehegt und gepflegt werden. Und deren Beleidigung bei Strafe verboten ist. Hamburgs Schwäne sind nämlich als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit der Hansestadt geschützt.

Das ist eindeutig der schönere Brauch – und unter uns: Schwan schmeckt überhaupt nicht.

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