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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

| Lesedauer: 2 Minuten
Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über die Entwicklung von Friedrich Merz.

Hamburg/Berlin. Christoph Schwennicke (r.) und Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, heimlich, still und leise hat sich Friedrich Merz erst in der Kanzlerfrage an Olaf Scholz und sogar Robert Habeck vorbeigeschoben, um dann den Sozialtourismus-Fehler zu machen. Was sagt uns das?

Schwennicke: Dass keiner unfehlbar ist. Weiß nicht, was ihn da geritten hat. Finde aber, dass es jetzt auch wieder gut ist. Er hat vulgärpopulistischen Unfug geredet, hat Haue bekommen und sich entschuldigt. Und gut ist.

Haider: Täuscht mein Eindruck, oder hat er etwas gebraucht, um wieder zurück ins politische Geschäft zu finden – und ist jetzt erst wieder da, wo er zu seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender vor dem Beginn der Ära Merkel war?

Schwennicke: Er hat seit dieser Zeit, als ihn Merkel (übrigens völlig zu Recht) verdrängt hatte vom Fraktionsvorsitz, jahrzehntelang politisch überwintert wie ein Eichhörnchen. Und auf seine Chance gewartet, die er im ersten Anlauf – Parteitag in Hamburg! – noch fast final vergeigt hätte. So eine Willenskraft ist schon beeindruckend. Er ist da, wo er immer hinwollte. Oder fast. Ein Schritt fehlt noch.

Haider: Ich habe ihn in den vergangenen Jahren mehrfach reden gehört und fand ihn von Mal zu Mal schwächer. Tatsächlich hatte er seine rhetorischen Fähigkeiten fast eingebüßt, jetzt sind sie wieder zurück. Und das kann entscheidend sein auf dem Weg zum Kanzlerkandidaten, auf den er sich gemacht hat.

Schwennicke: Interessante Beobachtung. Der politische Muskel muss auch trainiert sein. War vielleicht ein bisschen eingerostet. Aber jetzt ist er wieder voll da. Und ein Biden-Problem bekommt er vermutlich auch nicht. Macht einen recht frischen Eindruck.

Haider: Muss aber auch aufpassen, dass er nicht zu populistisch wird in einigen Themenbereichen, zum Beispiel wenn es um den Frontalangriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht. Oder kann man da als Oppositionsführer jetzt kräftig auf die ARD draufhauen?

Schwennicke: Weiß gar nicht, ob das was mit Regierung oder Opposition zu tun hat. Die ARD nimmt sich ja auch die Regierungspartei FDP kritisch zur Brust. Und bei aller persönlichen Sympathie für das öffentlich-rechtliche System: Da gibt es ja auch Raum für Optimierung.

( HA )

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